Theotokion

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Ein Theotokion ist ein Hymnus an Maria, die Theotókos (Θεοτόκος; “Gottesgebärerin”), welcher bei den Gottesdiensten der orthodoxen oder ostkatholischen Kirchen vorgelesen oder (als Troparion oder Sticheron) gesungen wird.

Im 5. Jahrhundert verurteilte Nestorius, der Patriarch von Konstantinopel (428-431), öffentlich den Gebrauch des Ausdrucks “Theotokos” für die Jungfrau Maria. Seine Haltung sorgte für Unruhe in der Kirche und führte zu seiner Absetzung. Der Grund war, dass der Ausdruck “Theotokos” für orthodoxe Christen nicht nur eine spirituelle, sondern auch eine theologische Bedeutung hat: indem die Jungfrau Maria als “Gottesgebärerin” bezeichnet wird, wird ausgedrückt, das Christus sowohl menschlicher als auch göttlicher Natur ist (und eben nicht rein göttlicher Natur). Dies ist wesentlicher Bestandteil der orthodoxen Lehre der Theosis. Der Begriff “Theotokos” ist also gleichermaßen eine Aussage über Christus und die Fleischwerdung wie über die Jungfrau Maria selbst, und diese spezielle Sicht der Fleischwerdung erlaubt es Maria, diesen Titel zu tragen.

Nach der Überwindung des Nestorianismus auf dem Ersten Konzil von Ephesus im Jahre 431 kamen Theotokia immer mehr in Gebrauch. Heute enthält jeder Gottesdienst in einer orthodoxen Kirche Theotokia, was zuweilen Petrus Gnapheus zugeschrieben wird, dem monophysitischen Patriarchen von Antiochia (471-488), der ein glühender Gegner des Nestorianismus war.

Theotokia werden oft nach eine Reihe von Troparia oder Stichera gesungen, in der Regel nach dem Vers „(Ehre sei dem Vater und dem Sohne und dem Heiligen Geiste.) jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit. Amen.“

Ein Stavrotheotokion ist eine Hymne an die Theotokos, die auch auf die Kreuzigung Christi eingeht. Der Zusammenhang zwischen Theotokos und Kreuz ist naheliegend, da die Jungfrau Maria während der Passion am Kreuz gestanden hatte. Stavrotheotokia werden meist am Mittwoch oder am Freitag gesungen, da diese Wochentage dem Gedenken an die Kreuzigung gewidmet sind.

Das Theotokion, das am Ende von „Herr, ich rufe zu dir“ bei der Vesper gesungen wird, wird Dogmatikon genannt, weil es darin um das Mysterium der Fleischwerdung Christi geht. Während des Dogmatikons kommt es zum Kleinen Einzug während der Vesper. Es wird oft vom Chor besonders feierlich gesungen, wobei der Diakon oder Priester die Ikone der Theotokos auf der Ikonostase beweihräuchert. Den Kleinen Einzug gibt es auch während der göttlichen Liturgie, wobei der Chor das Theotokion singt, das die Seligpreisungen beendet.

Theotokia aller Art finden sich im Horologion (Stundenbuch), Oktoichos, Triodion, Pentekostarion und anderen liturgischen Büchern.

Die längste und populärste Lobpreisung, die Theotokia enthält, ist der Akathistos an die Theotokos. Er wird feierlich am fünften Samstag der Großen Fastenzeit gesungen und auch bei vielen anderen Gelegenheiten im Jahr als öffentliche oder private Lobpreisung.