Sergij (Golubzow), Erzbischof

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Sergij (Golubzow) als Mönchspriester
Hl.Sergius-Dreieinigkeitslavra

Erzbischof Sergij (Golubzow) (29. April 1906 – 16. Juni 1982) war der Sohn von Alexander Golubzow, Professor an der Moskauer Geistlichen Akademie in Sergijew Possad.

Sein Vater († 1911), ein Zeitgenosse der hervorragenden Akademieprofessoren Wassili Kljutschewski und Jewgeni Golubinski, hatte den Lehrstuhl für Liturgik und Kirchliche Archäologie und außerdem den Lehrstuhl für Kirchliche Kunst an der Moskauer Hochschule für Malerei, Bildhauerei und Architektur inne. Streng und auf sich achtgebend, verfügte er über große sittliche Autorität in der Akademie.

Seine Mutter, Olga Golubzowa († 1920) war Tochter des Rektors der Moskauer Geistlichen Akademie, Erzpriester Professor Sergej Smirnow.

1923 absolvierte Pawel Golubzow die 1. Allgemeine Arbeitsschule des 2. Grades in Sergijew Possad. Nachdem er 1924 nach Moskau zog, trat er in den Dienst beim Staatlichen Historischen Museum, wo er als Zeichner und Bibliograph und seit 1929 als Bildrestaurator arbeitete. Den Beruf des Restaurators erwarb er dank seines Studiums in der Abteilung für Altrussische Malerei der Zentralen Staatlichen Restaurierungswerkstätten, die vom Akademiemitglied Igor Grabar geleitet wurden.

1928 wurde er in den 2. Kurs der Moskauer Staatlichen Universität in der Abteilung für Bildkunst des Ethnologischen Fakultät eingeschrieben. Im Studienjahr 1929/1930 wurde er in den 3. Kurs überführt.

Im März 1930 wurde Golubzow nach Artikel 58 Absatz 10 des Strafgesetzbuches der RSFSR („Propaganda oder Agitation, die zu Sturz, Unterhöhlung oder Schwächung der Sowjetherrschaft oder zur Begehung konterrevolutionärer Verbrechen nach Art. 582-589 anstiften“) verurteilt und für drei Jahre nach Sibirien verbannt, wo er als Bühnenbildner im Eisenbahnerclub der Stadt Njandom arbeitete.

Nach dem Exil nach Moskau zurückgekehrt, arbeitete er sieben Jahre als Designer für verschiedene Organisationen. 1940 bekam er eine wissenschaftliche Stelle am Staatlichen Historischen Museum für Restorationen, die er bis zu seiner Einberufung im August 1941 ausfüllte. Im Laufe dieses Jahres hielt er, neben seinen Restaurationsarbeiten, zwei Vorträge für den Wissenschaftlichen Rat des Museums – „Zur Frage über die Monumentalmalerei im ehemaligen St.-Paphnutius-Borowsk-Kloster im Zusammenhang mit seiner Architektur“(«Пафнутьево-Боровском монастыре в связи с его архитектурой») und „Zwei Porträts des Patriarchen Adrian in der Sammlung des Staatlichen Historischen Museums“ («Два портрета патриарха Адриана в собрании Государственного Исторического Музея»).

Im August 1941 wurde Pawel Golubzow zur Roten Armee einberufen. Bis Ende des Zweiten Weltkriegs diente er im Truppenteil 89468 als Sergeant des 6. Militärfahrzeugersatzlehrregiments. Er wurde mit der Medaille „Sieg über Deutschland“ ausgezeichnet.

Eine wichtige Episode im Leben von Pawel Golubzow war, als er die Schändung des Hauptes des Hl. Mönches Sergius von Radonesch verhinderte. 1928 überführte er heimlich das ehrenwerte Haupt des Beschützers des Russischen Landes von Sergijew Possad in das Dorf Meschalowka in der Nähe von Ljuberzy, wo Yuri Olsufiev wohnte. Kurz vor seiner Einberufung an die Front brachte er das Haupt des Hl. Sergius dann von Ljuberzy zu seinem Beichtvater, Starez und Schema-Archimandrit Ilarion (Udodow), in die Kirche zu Ehren der Gottesmutterikone von Wladimir im Dorf Winogradowo in der Nähe von Moskau. Das Haupt des Wunderwirkers wurde im Altarraum des Gotteshauses unter dem Altar aufbewahrt.

Nachdem Pawel von der Front zurückgekehrt war, überführte er, nun bereits zum dritten Mal, das ehrenwerte Haupt von der St.-Wladimir-Kirche in die Wohnung von Jekaterina Wassitschikowa, die diese unschätzbare Reliquie Patriarch Alexij I. übergab.

Nachdem Pawel im September 1945 vom Militär entlassen wurde, begab er sich nach Moskau und stellte einen Antrag auf Immatrikulation ins Orthodoxe Theologische Institut. Sein Beichtvater, Schema-Archimandrit Ilarion, gab ihm seinen Segen und das Gutachten für die Geistlichen Schulen von Moskau.

Im Oktober 1945 wurde Pawel Golubzow in den 2. Kurs des Theologischen Instituts eingeschrieben. 1947 absolvierte das Moskauer Geistliche Seminar, das bekanntlich Ende August 1946 reorganisiert worden war.

Im selben Jahr 1947 wurde er an der Moskauer Geistlichen Akademie eingeschrieben. Im 3. Studienjahr, am 6. März 1950, trat er in der Mönchsbruderschaft der Hl.Sergius-Dreieinigkslavra bei. Am 2. April wurde ihm die Mönchsweihe auf den Namen des Hl. Mönches Sergius von Radonesch durch den Prior der Hl.-Sergius-Dreiheitslavra Archimandrit Ioann (Rasumow) (später Metropolit von Pskow) verliehen. Am 28. Mai 1950 wurde er zum Mönchpriester erhoben.

Neben dem Studium am Geistlichen Seminar und später an der Geistlichen Akademie wurde Pawel Golubzow als Museumsexperte und erfahrener Restaurator mehrmals zu Restaurationsarbeiten herangezogen.

1946 übernahm er die Restauration der Ikonostase und der gesamten Wandmalerei der akademischen Entschlafenskirche des Neujungfrauenklosters. 1947 arbeitete er als Assistent an der Restauration der Epiphanien-Patriarchen-Kathedrale und leitete zugleich eine Malerbrigade bei der Restauration der Hauptkuppel und des Tambours der Epiphanien-Kathedrale. 1948 legte er die Stukkatur der „Zarengemächer“ der Lavra frei.

1950 wurde Mönchpriester Sergij zum verantwortlichen Vertreter des Moskauer Patriarchats bei der Restauration der Lavra-Dreiheitskirche ordiniert. Seine dortige Tätigkeit fiel zeitlich mit einer Phase äußerst gespannter Beziehungen zwischen Patriarchat und einem staatlichen Werkstatt im Werk der Restauration der Dreieinigkeitskirche zusammen. Vater Sergij gelang es, beide Seiten wieder zusammenzubringen. Im November 1952 wurde die Restauration der Dreiheitskirche fertiggestellt.

1951 promovierte er an der Moskauer Geistlichen Akademie zum Dr. theol. mit der Dissertation „Wege zur Verwirklichung theologischer Ideen in den schöpferischen Werken des Hl. Mönches Andrei Rubljow“. In dem Gutachten über Vater Sergij hieß es, dass er „für die geistlich-pädagogische Arbeit empfohlen werden kann, insbesondere für den Liturgik-Unterricht, in der er ein guter Lehrer für Kirchliche Archäologie sein könnte, da er selbst ein Spezialist im Bereich der kirchlichen Bildkunst ist“.

Am 21. August 1951 wurde er vom Lehrausschuss zum Dozenten für kirchliche Archäologie der Moskauer Geistlichen Akademie ordiniert. Seine Heiligkeit der Patriarch setzte am 1. September diese Entscheidung in Kraft. Der Lehrausschuss der Akademie erkannte auch auf seine Eignung für den Hebräischunterricht an der Akademie. Doch bei seiner Probevorlesung in Kirchlicher Archäologie zeigte sich, dass ihm pädagogische Erfahrung fehlte. Deshalb bat der Lehrausschuss den Rat der Akademie, mitzuteilen, ob Mönchpriester Sergij eine Probevorlesung für Hebräisch eingeräumt werden könne, obwohl er vorher nie unterrichtet hatte. Sehr bald legte Vater Sergij beim Rat eine Erklärung zum Programm für Hebräisch vor, die zum Lehrausschuss weitergeleitet wurde.

Innerhalb von zwei Jahren (1951-1953) erstellte Mönchpriester Sergij einen Vorlesungskurs für Kirchliche Archäologie im Umfang von 450 Druckseiten unter Einbeziehung der neuesten Erkenntnisse im Bereich Bildkunst und russischer Architektur. Er initiierte auch die Gründung eines Malereikreises und des Kabinetts für kirchliche Archäologie an der Moskauer Geistlichen Akademie.

Schon als Student hatte Pawel Golubzow in einer Aula eine kleine Vitrine aufgestellt und darin einige antike kirchliche Gegenstände aus seinem persönlichen Besitz platziert. Die Kirchenleitung unterstützte diese Idee . 1953 wurde Priestermönch Sergij zum Leiter der Halle für Kirchliche Archäologie. Dabei bat ihn die Akademie-Administration eindringlich, die dortige Inneneinrichtung zu übernehmen – also Exponate zu platzieren, eine Inventur zu machen und einen Katalog zu erstellen.

Außer Kirchlicher Archäologie und Hebräisch unterrichtete Vater Sergij auch die Heilige Schrift des Neuen Testaments.

Als Mönch der St.-Sergius-Dreieinigkeitsslavra kombinierte Vater Sergij seinen Dienst an der Akademie mit diversen Klosterdiensten: Seelsorge für Pilger, Zusammenfassung von Predigten, Gebetswachen am Sarg des Hl. Sergius von Radonesch und Lavra-Führungen für ausländische Gäste.

Am 5. Juli 1954 erhob Seine Heiligkeit Alexij I.ihn zum Archimandriten. Am 17. Oktober 1955 beschloss der Geweihte Synod, Archimandrit Sergij zum Bischof von Staraja Russa und Vikar der Leningrader Diözese zu erheben. Am 1. November 1955 wurde er in Staraja Russa von der Lehrtätigkeit befreit, führte jedoch als Oberhirte seine wissenschaftliche Tätigkeit weiter. Im Laufe mehrerer Jahre entwickelte er das Thema seiner Dissertation „Ikonen und Gemälden als Richtungen der kirchlichen Kunst und ihre ontologische Bewertung“.

Am 25. Februar 1963 wurde er zum Erzbischof erhoben. 1964 wurde er Ehrenmitglied der Moskauer Geistlichen Akademie. Bis 1967 verwaltete er die alte Diözese Nowgorod. Im Januar 1968 wurde er wegen Krankheit in den Ruhestand versetzt, mit Wohnsitz in der Hl.-Sergius- Dreieinigkeitsslavra. Am 16. Juni 1982 verstarb er in seiner Zelle an seinem vierten Schlaganfall. Er wurde in der Hl.-Sergius-Dreieinigkeitsslavra am Altar der Kirche der Ausgießung des Heiligen Geistes bestattet.