Seligpreisungen

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Seligpreisungen

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In deinem Königtum gedenke unser, o Herr, wenn du kommst in deinem Königtum.

1 Selig sind die Armen im Geiste, denn ihrer ist das Königtum der Himmel.

2 Selig sind die Trauernden, denn sie werden getröstet werden.

3 Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Land erben.

4 Selig sind, die nach der Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, denn sie werden gesättigt werden.

5 Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden.

6 Selig sind die Reinen im Herzen, denn sie werden Gott schauen.

7 Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Söhne Gottes heißen.

8 Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgten, denn ihrer ist das Königtum der Himmel.

9 Selig seid ihr, wenn sie euch schmähen und verfolgen, und jegliches böse Wort wider euch reden, um meinet willen.

Freut euch und frohlocket, denn euer Lohn ist groß in den Himmeln.

Deutung

Jedes Mal, wenn wir eine Liturgie feiern, dann hören wir die genannten Worte aus dem Matthäusevangelium. Doch über den Sinn dieser Worte muss man nachdenken. Man muss hinterfragen. Wer sind die Armen im Geiste, wer sind Trauernden, wer sind, die nach der Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden, wer sind die Barmherzigen, wer sind die Reinen im Herzen, wer sind die Friedensstifter? - und warum preist unser Herr Jesus Christus jene selig, die um seines Namens Willen verfolgt werden? Die Antwort gibt uns wie gewohnt das Heilige Wort, und die Heilige Überlieferung der Kirche. 1. Wer ist arm im Geist? – Arm im Geist ist jener, der nichts sein Eigen nennen kann. Denn alles hat er von Gott bekommen. Wie er aus dem Mutterleib herauskam, so wird er auch nichts in sein Grab mitnehmen können. Arm im Geist ist jener, der sich bewusst ist, dass er ohne die Hilfe Gottes nichts erreichen kann. Arm im Geist ist jener, der erkannt hat, dass er selbst nichts ist, und stets in allem unter dem Flügel der Barmherzigkeit Gottes Zuflucht sucht. Kurz gesagt: die geistige Armut ist Demut (Johannes Chrysostomos, Deutung des Matthäus Evangeliums, Gespräch 15) Arm im Geiste können auch Reiche sein, wenn sie zu der Erkenntnis gelangen, dass ihr sichtbares Gut verweslich ist, und dass es die geistlichen Güter niemals ersetzen kann. Denn der Herr spricht: "Was hülfe es dem Menschen, so er die ganze Welt gewönne und nähme Schaden an seiner Seele? Oder was kann der Mensch geben, damit er seine Seele wieder löse?“ (Mt 16,26) Doch die leibliche Armut kann zu der geistigen Armut beitragen, denn der Herr sagt: „Willst du vollkommen sein, so gehe hin, verkaufe, was du hast, und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel haben; und komm und folge mir nach!“ (Mt 19,21) Den Armen im Geiste ist auch das Himmlische Königtum versprochen. Auf der Erde, im Geiste, haben sie bereits durch ihren Glauben und ihre Hoffnung einen Vorgeschmack auf die ewigen Güter, im künftigen Zeitalter werden sie jedoch der ewigen Wonne teilhaftig.

2. Wer sind die Trauernden? – Wir müssen jedoch gleichzeitig unterscheiden, denn nicht jede Trauer ist Gott angenehm. Wenn wir unsere Sünden beweinen, uns unwürdig des Gottesdienstes erachten und Einsicht besitzen, dass wir Strafe wegen unserer Sünden verdienen, dann sind wir auf dem richtigen Weg: "Denn göttliche Traurigkeit wirkt zur Seligkeit einen Reue, die niemand gereut; die Traurigkeit aber der Welt wirkt den Tod“ (2 Kor 7,10).

Der Herr verspricht denen, die Weinen, dass sie getröstet werden. Hier ist der Gnadentrost gemeint, der aus der Vergebung der Sünden und der Gewissensruhe besteht. Vor allem aber soll die Trauer nicht zur Verzweiflung führen, denn die Verzweiflung ist wiederum eine Sünde.

3. Wer sind die Sanftmütigen? – Sanftmütig ist jener, der stets bemüht ist keinen zu verärgern oder selbst keinem Anstoß zu geben. Sanftmütig ist jener, der weder Gott, noch die Menschen für das zur Verantwortung zieht, was mit ihm passiert. Auch wenn ihm etwas zustößt, wird er nicht zornig oder hochmütig. Der Herr verspricht ihnen das Land. Dieses Wort kann man auch buchstäblich verstehen, denn die Christen haben das Land der Heiden geerbt. Außerdem werden die Sanftmütigen, den Worten des Psalmendichters nach, im Lande der Lebendigen erben: "Ich glaube aber doch, dass ich sehen werde das Gute des HERRN im Lande der Lebendigen“ (Ps 27,13).

4. Wer sind, die nach der Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden? Unter der Gerechtigkeit ist hier jede Tugend zu verstehen, nach der alle Christen trachten sollen, wie nach ihrem täglichen Brot und Trunk. Doch vor allem soll hier jene Gerechtigkeit verstanden werden, über die der Prophet Daniel spricht: "und die ewige Gerechtigkeit [wird] gebracht“ (Dan 9,21), d.h. der Mensch, der vor Gott schuldig ist, wird durch die Gnade und durch den Glauben an den Herr, Jesus Christus, gerechtfertigt werden. Über diese Gerechtigkeit spricht der Apostel Paulus: „Ich sage aber von solcher Gerechtigkeit vor Gott, die da kommt durch den Glauben an Jesus Christus zu allen und auf alle, die da glauben. Denn es ist hier kein Unterschied: sie sind allzumal Sünder und mangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten, und werden ohne Verdienst gerecht aus seiner Gnade durch die Erlösung, so durch Jesus Christus geschehen ist, welchen Gott hat vorgestellt zu einem Gnadenstuhl durch den Glauben in seinem Blut, damit er die Gerechtigkeit, die vor ihm gilt, darbiete in dem, dass er Sünde vergibt, welche bisher geblieben war unter göttlicher Geduld;“ (Röm 3,22-25). Die nach der Gerechtigkeit Hungernden und Dürstenden sind jene, die danach trachten Gutes zu tun, sie sehen sich selbst nicht als gerecht an, sie hoffen nicht durch ihre guten Taten erlöst zu werden, sondern bekennen ihre Sündhaftigkeit und Schuld vor Gott, und hoffen in ihrem Glaubensgebet auf die gnadenhafte Rechtfertigung durch Jesus Christus, wie auf geistige Speise. Der Herr verspricht diesen Menschen ihre Sättigung. Wie die leibliche Speise und zweierlei Trost spendet (1. Sie stillt den Hunger und den Durst, und 2. sie stärkt den Leib für neue Aufgaben), so ist es auch mit der geistigen Speise. Die geistige Sättigung bringt dem Menschen Frieden des vergebenen Sünders, und zweitens, sie spendet neue Kräfte zur Vollbringung guter Werke. Die vollkommene Sättigung werden wir in dem künftigen Zeitalter erfahren, wie der Psalmendichter schreibt: „Ich aber will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen, mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache.“ (Ps 17,15)

5. Wer sind die Barmherzigen? – Barmherzig sind jene, die nicht nur äußerlich die Werke der Barmherzigkeit erfüllen, sondern auch geistige. Äußerlicher Werke: 1. Sättigung der Hungernden und Dürstenden. 2. Denjenigen anziehen, welcher der Kleidung bedarf. 3. Einen Kranken oder Gefangenen besuchen, und ihm in seiner Not dienen. 4. Einen Wanderer aufnehmen und ihm Rast und Ruhe gönnen. 5. Jene bestatten, die in ihrer Armut gestorben sind, und keinen haben, der ihnen die Ehre erweist. Geistige Werke der Barmherzigkeit: 1. Einen Sünder von seiner Verirrung auf den richtigen Pfad bringen (Jak 5,20). 2. Einen Unwissenden der Wahrheit und der Güte lehren. 3. Seinem Nächsten einen guten und zeitgemäßen Rat geben, wenn er etwas übersieht oder sich in Gefahr befindet. 4. Für ihn zu Gott beten. 5. Einen Traurigen trösten. 6. Das Böse nicht mit Bösem vergelten. 7. Mit ganzem Herzen verzeihen, falls wir entweder durch Worte, Taten, auch sogar Blicke unserer Nächsten betrübt wurden. Genauso übertritt der Barmherzige nicht das Gesetz, wenn er einen bestraft, denn die Bestrafung kann im Sinne der Verbesserung erfolgen. Der Herr verspricht den Barmherzigen Erbarmen. Hier ist die Vergebung der Sünden vor dem Gericht Gottes gemeint.


6. Wer sind die Reinen im Herzen? – Rein im Herzen ist, wer nicht heuchlerisch ist, wer nicht um der menschlichen Ehre willen, seine Werke vollbringt: "Sie haben ihren Lohn dahin“ (Mt 6,16). Rein im Herzen ist, wer sich nicht an die irdischen Güter klammert, und nur Gott und den Herrn Jesus Christus mit Liebe und Glauben in seinem Herzen trägt und gedenkt. Ihnen verspricht der Herr, dass sie Ihn sehen werden. Das Herz dieser Menschen wird als Auge gedeutet, das Gott erblicken kann. Wie ein reines (gesundes) Auge das Licht der Welt erblicken kann, so ist es auch einem reinen Herzen möglich Gott zu schauen. Die Gottesschau ist die Quelle der Seligkeit.

7. Wer sind die Friedensstifter? – Friedenstifter leben mit allen in Frieden, und sie geben niemals einen Grund für Zwist; sollte es jedoch zu Uneinigkeit kommen, bemühen sie sich mit allen Mitteln die Auseinandersetzung zu schlichten. Wenn sie jedoch nicht in der Lage sind, alle Beteiligten zum Frieden zu bewegen, beten sie den Herrn für den Frieden. Der Herr verspricht, dass sie Söhne Gottes heißen werden. Ihre Aufgabe ist nicht leicht. Denn in ihrem Tun gleichen sie dem Herrn selbst. Denn der Herr ist herabgestiegen, um den gesündigten Menschen mit der Gerechtigkeit Gottes zu versöhnen.

8. Der verspricht nicht umsonst die Seligkeit denen, die bereit sind für die Wahrheit Leiden zu ertragen. Was kann schwieriger sein als das Martyrium um der Gerechtigkeit willen? Dieses Gebot fordert folgende Tugenden: Gerechtigkeitstreue, Beständigkeit und Festigkeit in der Tugend, Standhaftigkeit und Geduld. Wer allen Versuchungen, Nöten und Gefahren standhält, wird Seligkeit erlangen. Der Herr verspricht den, um der Wahrheit willen, Verfolgten das Himmlische Königtum als Ersatz dafür, was sie in diesem Leben entbehren.

9. Denen, die Verachtung, Verfolgung, Not und selbst den Tod für den Namen Christi und für den wahren orthodoxen Glauben auf sich nehmen, verspricht der Herr einen großen Lohn in den Himmeln.

Gott ruft den Menschen zur Seligkeit. Gott ruft den Menschen zur Erkenntnis. Zu jener Erkenntnis, die erst dann gestillt wird, wenn Gott uns in seiner Herrlichkeit erscheint. Darüber schreibt auch einer der größten Heiligen des Russischen Landes, der Gerechte Johannes von Kronstadt:

"Ich habe viele Bücher mit verschiedenem Inhalt, ich lese sie mehrmals; doch ich habe mich noch immer an ihnen nicht gesättigt. Immer noch trachtet mein Geist nach Wissen; immer noch ist mein Herz unzufrieden, ungesättigt von aller Erkenntnis, die durch meinen Verstand angehäuft wurde. Mein Herz kann keine vollkommene Seligkeit erlangen. Wann wird es endlich satt werden? - "mich satt sehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache" (Ps 17,15). Bis dahin werde ich nicht satt sein. "Wer von diesem Wasser trinkt (von dem weltlichen Wissen), wird wieder Durst bekommen; wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird niemals mehr Durst haben; vielmehr wird das Wasser, das ich ihm gebe, in ihm zur sprudelnden Quelle werden, deren Wasser ewiges Leben schenkt, - sprach der Erretter" (Joh 4. 13-14)." (Johannes von Kronstadt, "Mein Leben in Christus").


Möge der Herr, dem die Ehre in alle Ewigkeit sei, uns auf den Pfad seiner Erkenntnis führen. Amen.