Porphyrios der Kavsokalivit

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Starez Porphyrios der Kavsokalivit

Der Heilige Porphyrios (Bairaktaris) der Kavsokalivit (1906-1991) war Athos-Priestermönch, dann Priestermönch in der Welt, bekannt für sein geistliches Urteilvermögen, seine Scharfsichtigkeit und seine Askese.

Kurze Biographie des Starzen Porphyrios dem Kavsokaliviten

Familie

Starez Porphyrios wurde am 7. Februar 1906 in dem Dorf Agios Ioannis bei dem Städtchen Taminaioi geboren. Taminaioi (griechisch Ταμιναίοι) war im Altgriechischen als Τάμινα (Tamina) bekannt. Sowohl Agios Ioannis als auch Taminaioi gehören heute zur Stadt Aliveri (griechisch Αλιβέρι) in der Provinz Karystia (griechisch Επαρχία Καρυστίας). Diese Provinz liegt auf der Insel Euböa, welche eine gleichnamige Präfektur bildet (griechisch Περιφερειακή ενότητα Εύβοιας). Seine Eltern waren arme, aber fromme Bauern. Der Name seines Vaters war Leonidas Bairaktaris, seine Mutter hieß Eleni, Tochter von Antonios Lambrou.

Bei der Taufe erhielt er den Namen Evangelos. Er war das vierte von fünf Kindern und das dritte von vieren, die überlebten. Seine älteste Schwester Vassiliki schied dahin, als sie ein Jahr alt war.

Seinen Vater hatte zwar der Ruf dazu ereilt, aber er war kein Mönch geworden. Er war allerdings Kantor im Dorf, und der Heilige Nektarios hatte sich auf seinen Reisen in der Gegend seiner Dienste bedient; aber die Armut zwang ihn dazu, nach Amerika auszuwandern und beim Bau des Panama-Kanals mitzuarbeiten.

Kindheit

Der Starez besuchte nur zwei Jahre lang die Dorfschule. Der Lehrer war die meiste Zeit über krank, und so lernten die Kinder nicht viel. Angesichts dessen verließ Evangelos die Schule, um auf dem elterlichen Hof mitzuarbeiten und das wenige Vieh, das die Familie besaß, zu hüten. Mit nur acht Jahren fing er also an zu arbeiten. Obwohl er noch sehr jung war, ging er dann in eine Kohlenmine, um mehr Geld zu verdienen. Später arbeitete er in Lebensmittelläden in Halkhida und Piraeus.

Sein Vater hatte ihn den Bittkanon (Paraklese) an die Mutter Gottes (Panhagia) gelehrt und alles andere, was er über unseren Glauben vermocht hatte. Als Kind entwickelte sich Evangelos rasch. Er selbst berichtete, dass er sich mit acht Jahren das erste Mal rasieren musste. Er sah viel älter aus, als er tatsächlich war. Von klein auf war er sehr ernsthaft, arbeitsam und fleißig.


Berufung zum Mönch

Während er die Schafe hütete, und auch bei der Arbeit im Lebensmittelladen, las er gemächlich die Lebensgeschichte des Heiligen Johannes dem Kalybiten (Hüttenbewohner) und wünschte sich, dessen Beispiel nachzueifern. So brach er viele Male zum Berg Athos auf; aber aus verschiedenerlei Gründen kam er nie dort an und kehrte jedes Mal unverrichteter Dinge wieder zurück. Schließlich brach er mit 14 oder 15 Jahren wiederum zum Berg Athos auf, und diesmal war es ihm bestimmt, dort anzulangen.

Der Herr, der über unser aller Geschicke bestimmt, richtete es so ein, dass Evangelos seinem zukünftigen geistlichen Vater Hieromönch Panteleimon begegnete, als er mit der Fähre von Thessaloniki zum heiligen Berg Athos unterwegs war. Vater Panteleimon nahm ihn sofort unter seine Fittiche. Evangelos war noch nicht volljährig, und so wäre ihm der Zutritt zum Heiligen Berg eigentlich noch nicht erlaubt gewesen. Bruder Panteleimon gab ihn jedoch als seinen Neffen aus, und so bekam er Zutritt.

Ein Blick auf die Kavsokalyvia-Skite
Die Hütten der Kavsokalyvia-Skite
Starez Porphyrios der Kavsokalivit
Starez Porphyrios der Kavsokalivit

Klosterleben

Sein Starez, Bruder Panteleimon, nahm ihn mit nach Kavsokalyvia zur Kalyva (Klause) des Heiligen Georgis, wo Panteleimon mit seinem Bruder, Mönch Ioannikios, lebte. Der bekannte Mönch Hadji-Georgis der Selige hatte einst auch dort gelebt.

So bekam Starez Porphyrios zwei geistliche Väter auf einmal. Dankbar lebte er in absolutem Gehorsam zu beiden. Mit Feuereifer stürzte er sich ins Klosterleben. Seine einzige Beschwerde lautete, dass die Älteren ihm nicht genug abverlangten. Über seine asketischen Kämpfe hat er uns nur wenig berichtet; aber das, was er in seltenen Momenten seinen geistlichen Kindern darüber verriet, lässt den Schluss zu, dass er frohen Mutes und fortwährend diese harten Kämpfe ausfocht. Er wandelte barfuss auf den steinigen und verschneiten Pfaden des Heiligen Berges. Er schlief sehr wenig, nur mit einem Laken auf dem Boden der Klause und bei geöffnetem Fenster, selbst wenn es schneite. Während der Nacht fiel er vielmals auf die Knie, wobei er seinen Oberkörper entblößte, damit ihn der Schlaf nicht übermannen konnte. Er arbeitete viel; fertigte Schnitzereien an oder beschnitt die Bäume, sammelte Schnecken auf oder trug auf langen Wegen Säcke voll Erde auf dem Rücken, um auf dem felsigen Gelände bei der Hütte des Heiligen Georg einen Garten anlegen zu können.

Er versenkte sich auch in Gebete, Gottesdienste und Lobpreisungen der Kirche, die er auswendig lernte, während er mit seinen Händen arbeitete. Vielleicht lag es an der ständigen Wiederholung und Auswendiglernung der Evangelien, dass es ihm schier unmöglich war, einen bösen oder nutzlosen Gedanken zu haben. Er selbst bezeichnete seinen damaligen Zustand als „immer in Bewegung“.

Jedenfalls war das Besondere bei seinen asketischen Bemühungen nicht die körperliche Anstrengung, sondern vielmehr sein absoluter Gehorsam gegenüber dem Starzen. Er war völlig abhängig von ihm. Sein Wille verschwand in dem seines Starzen. Er war voller Liebe, Glaube und Hingabe für diesen. Er identifizierte sich vollständig mit ihm und ahmte seine Lebensführung bis ins letzte nach. Hier finden wir schließlich das Wesentliche: in diesem völligen Gehorsam entdecken wir das Geheimnis, den Schlüssel zu seinem Leben.

Dieser ungebildete Junge von niederem Stand, dem die Heilige Schrift sein Lesebuch war, war in der Lage, sich selbst zu bilden. Indem er über den geliebten Christus las, lernte er in wenigen Jahren genauso viel, wenn nicht mehr, wie wir es in aller Bequemlichkeit zu tun pflegen. Wir haben Schulen und Universitäten, Lehrer und Bücher; aber wir haben nicht die glühende Begeisterung dieses jungen Novizen.

Wir wissen nicht, wann genau, aber nicht lange nach seiner Ankunft auf dem Heiligen Berg wurde er auf den Namen Nikitas zum Mönch geweiht.


Erscheinung der Göttlichen Gnade

Wir sollten nicht darüber erstaunt sein, dass die Göttliche Gnade diesem jungen Mönch zuteil wurde, der so sehr für Christus entbrannt war und alles für Seine Liebe hingab. Nicht ein einziges Mal bereute er all seine Anstrengungen und Mühen.

Es dämmerte, und die Hauptkirche von Kavsokalyvia war noch geschlossen. Nikitas aber stand in einer Ecke des Kircheneingangs und wartete darauf, dass die Glocken begännen zu läuten und sich die Tore öffneten.

Dort war auch der alte Mönch Dimas, ein früherer russischer Offizier und schon über 90 Jahre alt; ein Asket und heimlicher Heiliger. Bruder Dimas sah sich um und vergewisserte sich, dass niemand in der Nähe war. Er bemerkte den jungen Nikitas nicht, der im Eingang wartete. Er warf sich nieder und betete vor der geschlossenen Kirchentür.

Da ergoss sich die Göttliche Gnade über den heiligen Bruder Dimas und sprühte auch über den jungen Mönch Nikitas, der damals bereit war, diese zu empfangen. Das Gefühl war unbeschreiblich. Auf seinem Weg zurück zur Klause, nachdem er am Morgen die Heilige Kommunion empfangen hatte, waren seine Gefühle so stark, dass er innehielt, die Hände ausstreckte und laut rief: „Heil Dir, O Gott! Heil Dir, O Gott! Heil Dir, O Gott!“


Wandel durch den Heiligen Geist

Nach der Erscheinung des Heiligen Geistes machte der junge Mönch Nikitas eine fundamentale Wandlung durch. Diese erfolgte direkt durch die Hand Gottes. Er erwarb übernatürliche Fähigkeiten und wurde von oben mit der Kraft ausgestattet.

Das erste Anzeichen dieser Gaben zeigte sich, als seine Starzen von einer weiten Reise zurückkehrten und er sie auf große Entfernung bereits kommen „sah“. Er „sah“ sie dort, wo sie waren, obwohl dies außerhalb der Reichweite menschlicher Augen war. Er bekannte dies Bruder Panteleimon, welcher ihm riet, mit dieser Gabe sehr behutsam umzugehen und niemandem davon zu erzählen. Diesem Rat folgte er vorsichtigerweise, bis man ihm andere Order erteilte.

Es kam noch mehr. Sein Gespür für die Dinge um ihn herum schärfte sich, und seine menschlichen Fähigkeiten entwickelten sich enorm. Er verstand nun die Stimmen der Tiere, so dass er zwar nicht wusste, woher sie kamen, aber was sie sagten. Sein Geruchssinn war so gesteigert, dass er Düfte schon aus großer Entfernung erkennen konnte. Er kannte die verschiedensten Aromen und ihre Mischungen. Nach einem bescheidenen Gebet konnte er die Tiefen der Erde und die Weiten des Weltalls „schauen“. Er konnte durch Wasser und durch Felsen blicken. Er sah Ölvorkommen, Radioaktivität, alte verbrannte Denkmäler, versteckte Gräber, Erdspalten im Untergrund, unterirdische Quellen, verlorene Ikonen; Szenen von Geschehnissen, die Jahrhunderte vergangen waren; Gebete, die vor langer Zeit gesprochen worden waren; gute und böse Geister; die menschliche Seele an sich; einfach alles. Er schmeckte das Wasser in den Tiefen der Erde. Er konnte die Berge befragen, und sie erzählten ihm von den geistigen Kämpfen der Asketen, die vor ihm dort wandelten. Er sah die Leute an und konnte sie heilen. Er berührte sie und machte sie gesund. Er betete, und sein Gebet erfüllte sich. Dabei verwendete er diese Göttlichen Gaben niemals bewusst zum eigenen Vorteil. Nie bat er darum, dass seine eigenen Gebrechen geheilt würden. Nie zog er persönlichen Gewinn aus dem Wissen, dass er der Göttlichen Gnade verdankte.

Jedes Mal, wenn er sein Urteilsvermögen (Diakrisis) gebrauchte, enthüllten sich ihm die geheimsten Gedanken der menschlichen Seele. Durch die Göttliche Gnade war er auch imstande, gleichzeitig Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schauen. Er bestätigte die Allwissenheit und Allmacht Gottes. Er war imstande, die gesamte Schöpfung zu erkennen und zu berühren, von den Grenzen des Universums bis in die Tiefen der menschlichen Seele und Geschichte. Der Satz des Heiligen Paulus – „Das alles bewirkt ein und derselbe Geist; einem jeden teilt er seine besondere Gabe zu, wie er will“ (1 Kor. 12,11) – galt sicherlich für den Starzen Porphyrios. Er war ein menschliches Wesen, das aber die Göttliche Gnade erhalten hatte – von Gott, der aus Seinen Eigenen Gründen nicht immer alles enthüllt. Das Leben in Gnade ist ein großes Geheimnis für uns. Jede Erörterung dieses Themas, von dem wir nichts verstehen können, wäre anmaßend. Der Starez betonte dies stets all denen gegenüber, die seine Fähigkeiten durch etwas anderes als Gnade erklären wollten. Immer wieder unterstrich er diese Tatsache: „Es ist nichts, was ich gelernt hätte. Es ist kein besonderes Talent. Es ist GNADE.“


Rückkehr in die Welt

Auch nach seiner Beschenkung durch die Göttliche Gnade fuhr der junge Schüler des Herrn in seinen asketischen Übungen fort wie zuvor, in Demut, gottgegebenem Eifer und beispielloser Liebe zum Lernen. Der Herr wollte ihn nun zu einem Lehrer und Hirten Seiner verständigen Schafe machen. Er prüfte und wog ihn und befand ihn für geeignet.

Der Mönch Nikitas hätte niemals daran gedacht, den Heiligen Berg zu verlassen und zurück in die Welt zu gehen. Seine göttliche, allesverzehrende Liebe für den Erlöser erweckte in ihm vielmehr den dringenden Wunsch, sich selbst zu finden – in der offenen Wüste und, abgesehen vom geliebten Jesus, ganz alleine.

Aber durch seine übermenschlichen asketischen Kämpfe geschwächt, zog er sich eine ernsthafte Rippenfellentzündung zu, als er auf den felsigen Klippen Schnecken auflas. Das zwang die Starzen dazu, ihn in ein Kloster der Außenwelt abzubeordern, wo er sich wieder erholen konnte. Er gehorchte und kehrte zurück in die Welt; aber sowie er wieder genesen war, ging er wieder zurück an den Platz seiner Bußfertigkeit. Die Krankheit brach erneut aus, und nun sahen sich die Starzen zu ihrem Leidwesen gezwungen, ihn für immer in die Welt hinauszuschicken.

Und so finden wir den 19jährigen als Mönch im Kloster Lefkon des Heiligen Charalambos wieder, unweit seines Geburtsorts. Auch dort führte er das Tagewerk mit Psalmen und so weiter fort, wie er es auf dem Heiligen Berg gelernt hatte. Er war allerdings gezwungen, seine Fastenübungen etwas einzuschränken, bis er wieder bei besserer Gesundheit war.


Priesterweihe

In diesem Kloster traf er auch den Erzbischof von Sinai, Porphyrios III., der dort zu Besuch weilte. Diesem fielen bei seiner Unterhaltung mit Nikitas dessen Tugend und göttliche Gaben auf, und er war dermaßen beeindruckt, dass er ihn am 26. Juli 1927, dem Gedenktag des Heiligen Paraskevi, zum Diakon weihte. Am nächsten Tag, dem Gedenktag des Heiligen Panteleimon, nahm er ihn als Mitglied des Sinai-Klosters in die Priesterschaft auf. Er erhielt den Namen Porphyrios. Die Weihe fand in der Kapelle der Heiligen Metropolis von Karystia in der Diözese von Kymi statt. Der Metropolit Panteleimon Phostini nahm auch am Gottesdienst teil. Porphyrios war zu dieser Zeit erst 21 Jahre alt.

Geistlicher Vater

Der amtierende Metropolit von Karystia, Panteleimon, übertrug ihm die Vollmacht, als Beichtvater zu dienen. Dieses neue ihm übertragene „Talent“ übte er mit großer Menschlichkeit und harter Arbeit aus. Er studierte das „Beicht-Handbuch“. Doch als er versuchte, die vorgeschriebenen Bußen zu verhängen, geriet er in Schwierigkeiten. Er stellte fest, dass er jeden Gläubigen auf dessen eigene Weise behandeln musste. Die Antwort fand er in den Schriften des Heiligen Basilios: „Wir schreiben all diese Dinge, auf dass ihr die Früchte der Reue kosten möget. Wir beachten nicht die Zeit, die sie währt, aber wir achten sehr wohl auf die Weise, in der sie geschieht.“ (Ep. 217 Nr. 84) Er nahm sich diesen Hinweis zu Herzen und setzte ihn in die Tat um. Auch noch im hohen Alter gemahnte er jüngere Beichtväter daran.

Auf diese Weise gereift, bewarb sich der Hieromönch Porphyrios 1940 dank Gottes Gnade erfolgreich um die Arbeit als geistlicher Vater in Euböa. Jeden Tag kamen die Gläubigen in Scharen, um bei ihm zu beichten. Oftmals nahm er stundenlang ohne Unterbrechung Beichten ab. Sein Ruf als geistlicher Vater, Kenner der Seele und verlässlicher Führer verbreitete sich rasch in der Gegend, und so strömten die Leute immer zahlreicher ins Heilige Kloster von Lefkon in der Nähe von Avlona in Euböa. Manchmal vergingen ganze Tage und Nächte, in denen er ohne Pause dieses Sakrament, diese göttliche Aufgabe erfüllte. Denen, die zu ihm kamen, half er mit seiner Gabe des Urteils; er führte sie zur Selbsterkenntnis, zur aufrichtigen Beichte und zum Leben in Christo. Mit dieser Gabe deckte er auch die Schlingen des Teufels auf und errettete die Seelen vor dessen üblen Fallgruben und Einflüsterungen.


Archimandrit

1938 wurde er mit dem Amt des Archimandriten von Karystia betraut, „in Anerkennung Deiner fortwährenden Dienste als Geistlicher Vater für die Kirche und der großen Hoffnungen, die unsere Heilige Kirche weiterhin für Dich hegt“, wie es der Metropolit formulierte (Protokoll Nr. 92/10-2-1938) – dessen Hoffnungen durch die Gnade Gottes erfüllt werden sollten.


Priester in der Gemeinde von Tsakayi in Euböa und im Kloster des Heiligen Nikolas von Ano Vathia

Der amtierende Metropolit schickte ihn als Priester in das Dorf Tsakayi in Euböa. Dort halten ihn heute noch ältere Dorfbewohner in bester Erinnerung. Er hatte das Kloster des Heiligen Charalambos verlassen, weil es in ein Konvent umgewandelt worden war. So finden wir ihn um das Jahr 1938 in dem verfallenen und verlassenen Kloster des Heiligen Nikolas in Ano Vathias in Euböa wieder, das der Zuständigkeit des Metropoliten von Halkida unterlag.


In der städtischen Einöde

Als die Wirren des Zweiten Weltkriegs Griechenland erreichten, berief der Herr Seinen gehorsamen Diener Porphyrios auf einen neuen Posten, näher zu seinem bedrängten Volk. Am 12. Oktober 1940 bekam er den Auftrag, zeitweise in der Kapelle des Heiligen Gerasimos in der Athener Polyklinik (an der Ecke Sokrates- und Piräusstraße, unweit des Omonia-Platzes gelegen) das Priesteramt zu übernehmen. Er selbst bewarb sich um diese Position aus seiner hingebungsvollen Liebe heraus, die er für seine Leidensgenossen empfand. Er wollte ihnen nah sein in dieser schwersten Zeit ihres Lebens, wenn Krankheit, Schmerz und der Schatten des Todes in Hoffnungslosigkeit zu münden schienen und nur die Hoffnung auf Jesus übrig blieb.

Es gab andere Bewerber mit hervorragenden Referenzen für diese Stelle; aber der Herr erleuchtete den Leiter der Polyklinik, und Porphyrios, der nach weltlichen Maßstäben nicht besonders geeignet war, sehr wohl aber über Gottesweisheit verfügte und bescheiden und liebenswürdig war, wurde erwählt. Der Direktor, der ihn ausgewählt hatte, drückte später seine Überraschung und Freude darüber aus, einen echten Priester gefunden zu haben: „Ich fand einen perfekten Vater, wie Christus es wollte.“

Er diente der Polyklinik als angestellter Kaplan für ganze 30 Jahre und danach noch einmal drei Jahre lang ehrenamtlich, um seinen geistlichen Kindern, die nach ihm verlangten, zu Diensten zu sein.

Neben seiner Rolle als Kaplan, die er mit großer Liebe und Hingabe ausfüllte, ebenso wie die Zelebrierung der Gottesdienste, nahm er die Beichten ab und ermahnte und heilte die Seelen und manchmal auch körperliche Gebrechen; er wirkte auch als geistlicher Vater für alle, die zu ihm kamen.

„Ihr selbst wisset, dass meinen Bedürfnissen und denen, die bei mir waren, diese Hände gedient haben.“ (Apg. 20,34)

Starez Porphyrios, der keine akademische Ausbildung hatte, verlangte für seine Tätigkeit als Kaplan der Polyklinik fast keinen Lohn. Es war zu wenig, um ihn selbst, seine Eltern und die wenigen anderen Verwandten, die auf ihn angewiesen waren, zu erhalten. So betrieb er auch eine Geflügelfarm und danach eine Weberei. In seinem Bestreben, die Gottesdienste so erhebend wie möglich zu gestalten, beschäftigte er sich mit der Zusammenstellung von Duftmischungen, die er als Weihrauch beim Gottesdienst einsetzen wollte. Dabei machte er in den 1970er Jahren tatsächlich eine neue Entdeckung: er mischte Holzkohle mit Duftessenzen und beweihräucherte die Kirche von da an mit seiner eigenen, langsam-glühenden Kohle, die einen süßen Duft von Spiritualität abgab. Aber die Einzelheiten dieser Entdeckung konnte er anscheinend nie ganz enträtseln.

Seit 1955 hatte er das Kloster des Heiligen Nikolas in Kallisia gepachtet, das zum Heiligen Kloster von Pendeli gehört. Systematisch kultivierte er in harter Arbeit das Land ringsum. Hier wollte er den Konvent gründen, den er sonst irgendwo anders neu gebaut hätte. Er setzte die Mauern instand, baute ein Bewässerungssystem, pflanzte Bäume und bestellte den Boden mit einer Pflugmaschine, die er selbst bediente. All dies tat er neben seinen Verpflichtungen als Kaplan und Beichtvater, rund um die Uhr.

Er schätzte die Arbeit sehr hoch und hätte sich selbst niemals Ruhe gegönnt. Aus eigener Erfahrung begriff er die Worte von Isaak dem Syrer: „Gott und seine Engel erfreuen sich an Betriebsamkeit; der Teufel und seine Diener erfreuen sich an Müßiggang.“

Abschied von der Polyklinik

\Am 16. Februar 1970 erhielt er nach 35 Jahren Dienst als Priester eine kleine Pension vom Fonds der Hellenischen Kirchenversicherung und beendete seine Pflichten in der Polyklinik. Er blieb allerdings noch so lange, bis sein Nachfolger eingetroffen war, und auch danach besuchte er die Polyklinik oft, um seine vielen geistlichen Kinder zu treffen. Um 1973 herum schließlich schränkte er seine Besuche in der Polyklinik ein und kümmerte sich statt dessen mehr um seine geistlichen Kinder im Kloster des Heiligen Nikolas in Kallisia, wo er die Liturgie feierte und die Beichten abnahm.


Meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht

Starez Porphyrios litt neben der Krankheit, die ihn gezwungen hatte, Athos zu verlassen und die seine linke Körperseite besonders empfindlich bleiben ließ, zu verschiedenen Zeiten noch an vielen anderen Gebrechen.

Gegen Ende seiner Zeit in der Polyklinik zog er sich ein Nierenleiden zu. Er wurde aber erst operiert, als seine Krankheit schon weit fortgeschritten war; vorher arbeitete er unermüdlich weiter, trotz seines Leidens. Er hatte sich daran gewöhnt, gehorsam zu sein „bis zum Tode“. Er gehorchte auch dem Direktor der Polyklinik, als dieser ihm sagte, er solle seine Operation verschieben, um die Gottesdienste in der Karwoche zu leiten. Diese Verschiebung führte dazu, dass er ins Koma fiel. Die Ärzte sagten seinen Verwandten, sie sollten sich auf das Begräbnis vorbereiten. Doch nach Gottes Willen und gegen alle ärztlichen Erwartungen kehrte der Starez ins weltliche Leben zurück und führte seinen Dienst an den Angehörigen der Kirche fort.

Einige Zeit zuvor hatte er sich das Bein gebrochen. woraufhin er einen Fall wunderwirkenden Beistandes des hl. Gerasimos erlebte (dem die Kapelle der Polyklinik, in der er diente, geweiht war).

Dazu kam der Leistenbruch, an dem er Zeit seines Lebens immer stärker litt und der von den schweren Lasten herrührte, die er immer nach Turkovounia, wo er viele Jahre gelebt hatte, getragen hatte.

Am 20. August 1978 erlitt er in Kallisia einen Herzanfall. Sofort wurde er ins „Hygeia“-Hospital gefahren, wo er 20 Tage bleiben musste. Nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus blieb er bis zu seiner vollständigen Genesung bei einigen seiner geistlichen Kinder in Athen. Dafür gab es drei Gründe: erstens konnte er nicht nach Kallisia zurück, weil es dort keine Straße gab und er einen langen Fußmarsch hätte unternehmen müssen; zweitens bot sein Haus in Turkovounia nicht einmal den geringsten Komfort; und drittens brauchte er Ärzte in der Nähe.

Später, als er vorübergehend in einer kleinen Hütte in Milesi wohnte, wo er den Konvent gegründet hatte, musste er am linken Auge operiert werden. Der Arzt machte einen Fehler, und Porphyrios konnte daraufhin auf diesem Auge nichts mehr sehen. Einige Jahre später war der Starez vollkommen blind. Während der Operation hatte ihm der Arzt, ohne Porphyrios’ Einwilligung, eine starke Dosis Kortison verabreicht. Er reagierte aber besonders empfindlich auf Medikamente und ganz besonders auf Kortison. Dadurch hatte er von da an etwa alle drei Monate wiederkehrende Magenblutungen, weshalb er auch keine regelmäßigen Mahlzeiten zu sich nehmen konnte. Er ernährte sich von ein paar Löffelchen Milch und Wasser am Tag. Dadurch war er bald körperlich so geschwächt, dass er nicht einmal mehr aufrecht sitzen konnte. Er bekam zwölf Bluttransfusionen, all dies in seiner kargen Behausung in Milesi. Am Ende aber überlebte er durch Gottes Gnade, obwohl er erneut an der Pforte des Todes gestanden hatte.

Von da an war seine Gesundheit schrecklich beeinträchtigt. Trotzdem führte er sein Amt als geistlicher Vater so gut er konnte weiter aus und nahm auch für kurze Zeiträume wieder die Beichten ab, wobei er meist an verschiedenen gesundheitlichen Problemen litt und furchtbare Schmerzen hatte. Sein Sehvermögen verringerte sich stetig, bis er 1987 schließlich vollkommen blind war. Seine Ratschläge für die Leute wurden weniger, dafür wurden seine Gebete für sie immer mehr. Still betete er voller Liebe und Demut für all jene, die sich nach seinen Gebeten und Gottes Hilfe sehnten. Mit spiritueller Freude sah er die Göttliche Gnade an ihnen wirksam werden. So wurde Starez Porphyrios ein treffliches Beispiel für die Worte des Apostels Paulus: „Meine Kraft wird in Schwachheit vollbracht.“


Er errichtet ein neues Frauenkloster

Es war ein langgehegter Wunsch des Starzen, einen eigenen heiligen Konvent zu gründen, ein Frauenkloster, in dem bestimmte strenggläubige Frauen, die zu seinen geistlichen Kindern zählten, leben konnten. Er hatte Gott gegenüber das Gelübde abgelegt, diese Frauen bei seinem Hinscheiden nicht im Stich zu lassen, da sie mit ihm viele Jahre lang treu gedient hatten. Im Laufe der Zeit sollte es auch anderen Frauen, die ihr Leben Gott weihen wollten, möglich sein, sich dort niederzulassen.

Sein erster Gedanke war, den Konvent in Kallisia aufzubauen, welches er 1955 vom Heiligen Kloster in Pendeli gepachtet hatte. Er versuchte die Besitzer viele Male dazu zu bringen, ihm das benötigte Land entweder zu schenken oder zu verkaufen, aber erfolglos. Es schien so, als ob der Herr in seinem weisen Ratschluss einen anderen Platz für diese spezielle Unternehmung vorgesehen hätte. Also sah sich der Starez nach einem anderen geeigneten Grundstück für sein Vorhaben um.

In der Zwischenzeit arbeitete er zusammen mit seinen geistlichen Kindern die Statuten für die Konventsgründung aus und legte sie den zuständigen Kirchenbehörden vor. Da er noch keinen konkreten Standort für den Konvent ausgewählt hatte, gab er Turkovounia in Athen als Gründungsort an. Hier besaß er eine kleine steinerne Hütte, die zwar keinerlei Komfort bot, ihm aber seit 1948 als ärmliche Behausung gedient hatte.

Starez Porphyrios unternahm nichts ohne den Segen der Kirche. So ersehnte und erhielt er in diesem Fall die Zustimmung sowohl von Seiner Eminenz, dem Erzbischof von Athen, als auch vom Heiligen Synod. Obwohl das Verfahren schon 1978 begonnen hatte, widerfuhr ihm erst 1981 die Ehre, dass nach allerlei bürokratischem Aufwand und anderen Schwierigkeiten der „Heilige Konvent der Verklärung unseres Erlösers“ durch einen Erlass des Präsidenten anerkannt und in einem Regierungsblatt bekannt gemacht wurde.

Die Suche nach einem geeigneten Grundstück für den Konvent hatte der Starez lange vor seiner Herzattacke begonnen, als er sich mehr als sicher war, dass es nicht Kallisia sein könne. Umsichtig und voller Eifer suchte er unablässig nach dem geeignetsten Platz. Als er nach seinem Herzanfall wieder einigermaßen bei Kräften war und sich dazu imstande sah, nahm er die rastlose Suche wieder auf. Er scheute keine Mühen. Er bereiste ganz Attika, Euböa und Böotien in den Wagen verschiedener seiner geistlichen Zöglinge. Auch auf Kreta und einigen anderen Inseln suchte er nach Möglichkeiten, seinen Konvent aufzubauen. Er arbeitete unglaublich hart. Er prüfte hunderte von Anwesen und suchte auch die meisten davon selbst auf. Er konsultierte zahllose Leute. Er reiste Tausende von Kilometern. Er stellte zahllose Kalkulationen auf. Er wog alle Faktoren gegeneinander ab, und schließlich erwählte und erwarb er eine Liegenschaft von der Hagia Sotira in Milesi bei Malakasa in Attika, in der Nähe von Oropos.

Anfang 1980 zog er auf das Anwesen in Milesi um, das er zur Errichtung des Konvents gekauft hatte. Über ein Jahr lang lebte er in einem Wohnwagen, unter schwierigsten Bedingungen, vor allem im Winter. Dann zog er in ein kleines, schäbiges Häuschen, in dem er drei Monate lang ununterbrochen unter grässlichen Magenblutungen litt und zahlreiche Bluttransfusionen erhielt. Das Blut hatten ihm seine geistlichen Kinder in Liebe gespendet.

Die Bauarbeiten begannen ebenfalls 1980, aufmerksam verfolgt vom Starzen. Er bezahlte die Arbeit aus Ersparnissen, die er selbst und seine Freunde und Verwandte jahrelang für diesen Zweck gesammelt hatten. Er bekam außerdem Hilfe von vielen seiner geistlichen Kinder.


Errichtung der Kirche der Verklärung

Seine große Liebe zu den Mitmenschen konzentrierte sich darauf, sie zur Freude der Verklärung in Christo hinzuführen. Mit den Worten des Apostel Paulus flehte er uns, seine Brüder und Schwestern, an: „Und seid nicht gleichförmig dieser Welt, sondern werdet verwandelt durch die Erneuerung des Sinnes, dass ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist: das Gute und Wohlgefällige und Vollkommene.“ (Röm. 12, 2) Er wollte uns in den Zustand geleiten, in dem er selber lebte: „Wir alle aber schauen mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn an und werden so verwandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit, wie es vom Herrn, dem Geist, geschieht.“ (2 Kor. 3,18).

Daher nannte er seinen Konvent auch „Verklärung“ und widmete dieser auch die Kirche. Durch seine Gebete beeinflusste er seine Mitarbeiter dahingehend und erreichte so sein Ziel. Nach vielen Beratungen und harter Arbeit seitens des Starzen wurde schließlich ein einfacher, gefälliger und vollkommener Entwurf verabschiedet.

In der Zwischenzeit gab der örtliche Metropolit (dessen Sitz der Athener Erzdiözese unterstellt war) nach einer entsprechenden Intervention durch Seine Eminenz dem Erzbischof von Athen die Erlaubnis, die Kirche in seinem Zuständigkeitsbereich in Milesi zu errichten.

Die Grundsteinlegung fand am 25. Februar 1990 um Mitternacht während einer Nachtvigil zu Ehren des Heiligen Porphyrios, dem Bischof von Gaza und Wundertäter, statt. Starez Porphyrios, der krank und daher nicht in der Lage war, die elf Meter auf den Boden der Grube hinabzusteigen, wo der Grundstein gelegt werden sollte, gab stattdessen sehr bewegt sein Kreuz als Grundstein. Von seinem Bett aus betete er die folgenden Worte: „O Kreuz Christi, mache dieses Haus standhaft. O Kreuz Christi, beschütze uns mit Deiner Stärke. Gedenke, O Herr, Deines bescheidenen Dieners Porphyrios und seiner Gefährten...“ Nachdem er für alle gebetet hatte, die mit ihm arbeiteten, bestimmte er, dass ihre Namen an einer speziellen Stelle der Kirche notiert werden sollten, zum ewigen Angedenken.

Die Bauarbeiten an der Kirche (errichtet aus Steinbeton) begannen augenblicklich, und begleitet von den Gebeten des Starzen gingen sie ohne Unterbrechung voran. Mit seinen geistigen Augen – denn sein natürliches Sehvermögen hatte er schon Jahre zuvor verloren – konnte er erkennen, wie die Kirche ihre letzte Bauphase erreichte, nämlich die zentrale Kuppel. Dieser Punkt war am Tag seiner endgültigen Abreise erreicht.


Vorbereitung der Rückkehr zum Heiligen Berg

Starez Porphyrios hatte sich vom Berg Athos gefühlsmäßig niemals ganz gelöst. Nichts anderes beschäftigte ihn mehr als der Heilige Berg und vor allem Kavsokalyvia. Seit vielen Jahren hatte er dort seine Hütte auf den Namen eines seiner Jünger [der Ausdruck „Jünger“ ist im Deutschen eigentlich den Aposteln vorbehalten...], den er gelegentlich besuchte. Als er 1984 hörte, dass der letzte Bewohner der Heiligen-Georgs-Hütte für immer fortgezogen und sich in einem anderen Kloster niedergelassen hatte, eilte er zur Heiligen Großen Lavra des Heiligen Athanasios, der diese gehörte, und bat darum, sie ihm zu überlassen. Dort zum Heiligen Georg hatte er sein erstes Mönchsgelübde abgelegt. Immer hatte er dorthin zurückkehren wollen, um das Gelübde, dass er bei seiner Weihe 60 Jahre zuvor abgelegt hatte, zu erfüllen: bis zum letzten Atemzug in seinem Kloster zu verbleiben. Er machte sich nun bereit für seine letzte Reise.

Die Hütte wurde ihm gemäß der Gepflogenheiten von Athos mit der besiegelten Klosterzusicherung vom 21. September 1984 übergeben. Starez Porphyrios ließ hintereinander verschiedene seiner Jünger dort wohnen. Im Sommer 1991 waren es fünf. Dies war die Zahl, von der er drei Jahre zuvor einem seiner geistlichen Kinder gesagt hatte, dass sie das Jahr seines Todes anzeigen werde.


Rückkehr zur Buße

Während der letzten beiden Jahre seines irdischen Lebens hatte er oft davon gesprochen, wie er sich darauf vorbereite, sich vor dem Jüngsten Gericht Gottes zu verantworten. Er gab die strikte Anweisung, dass sein Körper, falls er hier (in Milesi) sterben sollte, ohne große Zeremonie nach Kavsokalyvia gebracht und dort begraben werden solle. Er bezog sich auf eine bestimmte Episode in den Erzählungen der Väter:

Ein gewisser Starez, der sein Grab bereitet hatte, als er fühlte, dass sein Ende nahte, sagte zu seinem Schüler: „Mein Sohn, die Felsen sind rutschig und steil, und du wirst dein Leben gefährden, wenn du mich alleine zu Grabe trägst. Lass uns jetzt gehen, solange ich noch lebe.“ Und so nahm der Schüler ihn bei der Hand, und der Starez legte sich in sein Grab und gab seine Seele hin in Frieden.

Am Vorabend von Pfingsten 1991, nachdem er nach Athen gegangen war und bei seinem greisen und kranken Geistlichen Vater gebeichtet hatte, erhielt er die Absolution und ging in seine Hütte auf dem Berg Athos. Er ließ sich dort nieder und wartete auf das Ende, bereit, Gott gute Rechenschaft zu geben.

Als sie ihm nach seinen Anweisungen ein tiefes Grab geschaufelt hatten, verfasste er einen Abschiedsbrief mit Ratschlägen und Vergebungen an all seine geistlichen Kinder, das er einem von ihnen diktierte. Dieser Brief vom 4. Juni (17. Juni nach dem neuen Kalender) wurde zwischen seinen monastischen Gewändern gefunden, als sie am Tage seines Todes für das Begräbnis zurechtgelegt wurden. Er ist auf den Seiten 57-58 des Buches „Elder Porphyrios: Testimonies and Experiences“ von Klitos Ioannidis veröffentlicht und ein weiterer Beleg seiner grenzenlosen Hingabe.


„Ich komme zurück zu Dir“

Starez Porphyrios verließ Attika gen Athos mit der geheimen Absicht, nie mehr zurückzukehren. Er hatte mit so vielen seiner geistlichen Kinder darüber gesprochen, dass diese wussten, dass sie ihn zum letzten Male zu Gesichte bekamen. Anderen hatte er dies nur angedeutet, und erst nach seinem Tod verstanden sie, was er gemeint hatte. Denen, die die Nachricht seines Abschieds nicht ertragen hätten, sagte er, er würde zurückkommen. Er sagte so vieles über seinen Tod, manchmal deutlich, manchmal kryptisch, dass die Erschütterung über die Ankündigung seines Todes, die jene in seiner Umgebung befiel, nur durch deren Gewissheit zu erklären ist, dass er wie all die anderen Male zuvor überleben werde (wobei der Wunsch der Vater des Gedanken war).

Vielleicht zögerte er auch selbst, wie einst der Heilige Apostel Paulus, der an die Philipper geschrieben hatte: „Ich werde aber von beidem bedrängt: Ich habe Lust, abzuscheiden und bei Christus zu sein, denn es ist weit besser; das Bleiben im Fleisch aber ist nötiger um euretwillen.“ (Phil. 1,23-24). Vielleicht...

Seine geistlichen Kinder in Athen riefen ihn immer wieder zu sich, und gegen seinen Willen war er gezwungen, noch zwei Mal in den Konvent zurückzukehren. Hier spendete er all denen, die dessen bedurften, Trost. Beide Male blieb er nur wenige Tage, „damit unser Rühmen überreich werde in Jesus Christus bei Seiner Ankunft bei uns.“ (Abwandlung von Phil. 1,26) Dann eilte er so schnell wie möglich zurück nach Athos. Er wollte unbedingt dort sterben und ruhig begraben werden, inmitten von Gebet und Bußfertigkeit. Am Ende seines körperlichen Lebens belastete ihn die Möglichkeit, dass die Liebe seiner geistlichen Kinder ihm den Wunsch, alleine zu sterben, verwehren könnte. Er war es gewohnt, zu gehorchen und sich unterzuordnen. Daher sagte er einem der Mönche: „Wenn ich euch bitte, mich nach Athen zu bringen, verhüte dies – ich würde es nur aus Verführung sagen.“ Tatsächlich hatten einige seiner Freunde schon geplant, ihn wieder nach Athen zu bringen, da der Winter nahte und seine Gesundheit sich verschlechterte.


Er entschläft im Herrn

Gott, der Allgütige, der die Wünsche derer erfüllt, die ihn fürchten, erfüllte den Wunsch des Starzen Porphyrios. Er befand ihn für wert, ein gesegnetes Ende in äußerster Bescheidenheit und Ruhmlosigkeit zu nehmen. Nur seine Jünger vom Berg Athos waren um ihn und beteten mit ihm. In der letzten Nacht seines irdischen Lebens ging er zur Beichte und betete inständig. Seine Jünger lasen Psalm 51und andere Psalme und die Gebete zum Hinscheiden der Seele. Sie sagten das kurze Gebet „Herr Jesus Christus, erbarme dich meiner“ so oft, wie es bei der Gebetsregel eines Schemamönches üblich ist.

Voller Liebe gaben ihm die Jünger, wonach er verlangte – ein wenig leibliches und eine Menge geistliches Wohl. Noch lange hörten sie seine heiligen Lippen die letzten Worte flüstern, die aus seinem ehrwürdigen Mund kamen. Es waren dieselben, die Christus gebetet hatte am Vorabend seiner Kreuzigung: „auf dass wir eins sein mögen“. Danach hörten sie ihn nur noch ein Wort wiederholen – das Wort, dass das Ende des Neuen Testaments bildet, den Abschluss der Apokalypse (Offenbarung) des Heiligen Johannes: „Komm!“ („Komm, Herr Jesus!“)

Und der Herr, sein gütigster Jesus, kam. Die fromme Seele des Starzen Porphyrios verließ seinen Leib um 4:31 Uhr am Morgen des 2. Dezember 1991 und begab sich gen Himmel. Sein ehrwürdiger Leib, gekleidet in monastischer Manier, wurde in der Hauptkirche von Kavsokalyvia aufgebahrt. Nach altem Brauch lasen die Väter dort den ganzen Tag lang die Evangelien, und die ganze Nacht über hielten sie eine Vigil. Alles wurde genau so getan, wie es Starez Porphyrios mündlich angeordnet hatte; es war aufgeschrieben worden, um nichts falsch zu machen.

Im Morgengrauen des 3. Dezember 1991 bedeckte die Erde die ehrwürdigen Überreste des seligen Starzen. Zugegen waren nur einige Mönche der Heiligen Skite von Kavsokalyvia. Erst dann wurde gemäß seinem Wunsch sein Hinscheiden bekannt gegeben.

Es war die Tageszeit, wenn der Himmel sich rosa färbt und die Herrlichkeit des neuen Tages ankündigt – für viele Seelen ein Symbol für des Starzen Übergang vom Tod zum Licht und zum Leben.

Heiligsprechung

Am 27. November 2013 wurde Porphyrios bei einem Treffen des Heiligen Synod beim Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel zusammen mit Meletios, dem Gründer des Klosters Ypseni auf Rhodos, als Heiliger der Orthodoxen Kirche eingetragen.

Ein kurzes Resümee

Das Hauptcharakteristikum des Starzen Porphyrios war Zeit seines ganzen Lebens seine vollkommene Demut, die begleitet wurde von absolutem Gehorsam, warmer Liebe und klaglosem Erleiden unerträglicher Schmerzen. Er war bekannt für seine weise Verschwiegenheit, sein unfassbares Urteilsvermögen, seine unbändige Liebe zum Lernen, seine außergewöhnlichen Kenntnisse (eine Gabe Gottes und nicht etwa Ergebnis seiner nichtvorhandenen Schulbildung), seine unerschöpfliche Liebe zu harter Arbeit und sein immerwährendes demütiges (und deshalb erfolgreiches) Gebet; außerdem für seine reine orthodoxe Überzeugung ohne jeden Fanatismus, sein lebhaftes (wenn auch meist unerkannt gebliebenes) Interesse für Angelegenheiten der Heiligen Kirche, seine hilfreichen Ratschläge, seine vielseitige Lehrtätigkeit, seinen vielerduldenden Geist, seine tiefe Hingabe, seine angemessene Art, den Gottesdienst zu feiern, und seine Großzügigkeit, die er bis zuletzt vorsichtig verbarg.


Als Nachwort

a) „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“ (Joh. 6,37)

Starez Porphyrios empfing sein ganzes Leben lang alle, die zu ihm kamen, und war so wie der Heilige Paulus „allen alles geworden, auf dass ich auf alle Weise etliche errette.“ (1 Kor. 9,22)

Alle Arten von Leuten kamen zu seiner bescheidenen Zelle: heilige Asketen und sündige Diebe, orthodoxe Christen und Vertreter anderer Konfessionen und Religionen, unbedeutende Leute und berühmte Persönlichkeiten, Reiche und Arme, Gebildete und Analphabeten, Laien und Geistliche aller Ränge. Jedem einzelnen bot er die Liebe Christi zur Erlösung an.

Das soll nicht heißen, dass alle, die zu ihm kamen oder ihn mehr oder weniger lange kannten, seine Botschaft annahmen oder seine Tugendhaftigkeit erwarben und somit ebenso vertrauenswürdig gewesen wären wie er selbst. In dieser Hinsicht sollten wir vorsichtig und wachsam sein, denn als der Starez weithin bekannt wurde, wurden einige Leute in Versuchung geführt, sich einer besonderen Verbindung zu ihm zu rühmen und sich damit zu brüsten und den falschen Eindruck zu erwecken, sie würden in seinem Namen sprechen. Jenseits von reiner Hingabe und wahrer Liebe, jenseits von demütiger Einstellung und ehrenhaftem Lernen gibt es da auch Berechnung und persönliche Vorteilnahme. Es gibt die Einfalt und die Arglist, das Unverständnis, aber auch Irrweg und Betrug.

In seinen letzten Jahren betrübte dies den Starzen Porphyrios sehr. Viele gaben sich als seine geistlichen Kinder aus und gaben vor, mit dem Einverständnis oder Segen des Starzen zu handeln, obwohl dieser sie weder kannte noch ihre Aktivitäten gutgeheißen hatte. Tatsächlich bat er zweimal darum, diese wichtige Mitteilung den Christen schriftlich zukommen zu lassen, rief diese Anweisung zur Veröffentlichung aber beide Male wieder.

Hier ein Beispiel: der Starez hatte eine bestimmt Einstellung zu verschiedenen kirchlichen Fragen, welche die Gläubigen spalteten. Dies war nur wenigen Leuten bekannt und sollte vertraulich bleiben. Trotzdem kam es vor, dass Leute kamen, die die eine oder andere Meinung vertraten. Es wäre verkehrt, anzunehmen, dass jemand, den der Starez empfangen hatte, dadurch dessen Segen für seine Meinung erhalten habe. Hätten wir ihm doch nur gehorcht! Wenn wenigstens diejenigen von uns, die ihm nahe standen, seinen Rat und seine Meinung beherzigt hätten!

Seine Meinung war allgemein gesprochen die der vollkommenen Unterordnung unter die „offizielle“ Kirche. Er tat gar nichts ohne ihre Zustimmung. Aus seiner Erfahrung mit dem Heiligen Geist wusste er, dass die Bischöfe unanhängig von ihren persönlichen Tugenden der Göttliche Gnade teilhaftig waren. Er selbst verspürte deutlich diese Göttliche Gnade und konnte erkennen, wo sie am Werk war und wo nicht. Er betonte stets, dass die Gnade dem Stolz entgegengesetzt ist, aber nicht dem Sünder, wie gering dieser auch sei. Aus diesem Grunde war er nicht damit einverstanden, wenn innerhalb der Kirche gestritten und disputiert wurde oder jemand die Bischöfe angriff. Er vertrat immer den Standpunkt, dass die Lösung aller Kirchenprobleme in der Kirche und von der Kirche gefunden werden sollte, durch Gebet, Demut und Buße. Es ist besser für uns, sagte er, wenn wir innerhalb der Kirche Fehler machen, als wenn wir uns jenseits von ihr korrekt verhalten.

b) „... dass ihr fest steht in einem Geist und mit einer Seele zusammen für den Glauben des Evangeliums kämpft“ (Phil. 1,27)

Der Starez lehrte, dass die Grundlage des Geistlichen Lebens in Christo, das große Geheimnis unseres Glaubens, die Einheit in Christi ist. In diesem Sinne: sich mit dem Bruder zu identifizieren, des Anderen Last zu tragen, und Anderen zu tun, wie wir an uns selbst handeln würden; zu sagen „Herr Jesus Christus, erbarme Dich MEINER“ und dabei die Nöte und Schmerzen der anderen mitzumeinen und mit auf sich zu nehmen; zu leiden, wie sie leiden, und sich zu erfreuen, wie sie sich erfreuen; ihre Niederlage zu unserer Niederlage und ihren Erfolg zu unserem Erfolg zu machen.

Deshalb waren seine letzten Worte, sein letztes Flehen an Gott, sein letztes Gebet und sein letzter Wunsch, „eins zu werden“. Das war es, was er sich wünschte, erhoffte und ersehnte.

So werden auf wundersame und einfache Weise viele Probleme gelöst und viele Sünden vermieden. Ist mein Bruder gefallen, so bin ich gefallen; wie könnte ich ihn anklagen, wenn ich doch selber gefehlt habe? Hat mein Bruder Erfolg, so habe ich Erfolg; wieso sollte ich ihn beneiden, wenn ich doch selbst gewonnen habe? Der Starez wusste, dass uns der Böse hier, an unserem schwächsten Punkt, am stärksten angreift. Wir verfolgen zuerst unseren eigenen Vorteil. Wir isolieren uns. Wir möchten als einzige den Folgen unserer Taten entfliehen. Wenn aber solch ein Geist vorherrscht, gibt es für uns keine Erlösung. Wir müssen alle miteinander erlöst werden wollen. Mit Gottes Heiligen sollten wir sagen: „Wenn Du all diese Leute nicht errettest, Herr, dann tilge auch meinen Namen aus dem Buch des Lebens“ - oder uns wie Christi Apostel wünschen, von Ihm verflucht zu werden zum Wohle unserer Mitmenschen, Brüder und Schwestern.

Dies ist die Liebe, die Kraft Christi. Dies ist das Wesen Gottes. Dies ist der Königsweg des geistlichen Lebens. Wir sollten Christus, der ALLES ist, lieben, indem wir Seine Brüder und Schwestern lieben, für deren Geringsten Er sein Leben hingab.

Auszug aus dem Buch „Elder Porphyrios: Testimonies and Experiences“ von Klitos Ioannidis