Okkultismus

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Definition

Okkultismus (von lat. occultus „geheim, verdeckt“) ist eine pseudowissenschaftliche Lehre, die sich bemüht, Mystik und Magie als positive Erkenntnismethoden darzustellen und verschiedene abergläubische Vorstellungen zu begründen.

Zum Okkultismus gehören: Magie, Spiritismus, Astrologie und andere Wahrsagereien, Theosophie, Anthroposophie, außersinnliche Wahrnehmung, Ufologie und Esoterik. Religiöse Doktrinen:

Magie

Magier oder, einfacher gesagt, Zauberer glauben an die Existenz von guten und bösen Geistern (Kräften), die auf Befehl eines Zauberers auf Menschen Einfluss nehmen können; ihnen z.B. helfen, Krankheiten und Unglück „loszuwerden“, die Liebe zu finden oder Unheil abzuwehren usw. Die Magie hat sich mittlerweile zu einem lukrativen Geschäft entwickelt.

Spiritismus

Spiritismus ist der Glaube daran, dass es möglich wäre, mit Hilfe eines Vermittlers – einem sog. „Medium“ – mit den Geistern von Verstorbenen zu kommunizieren. Diese Praxis ist altbekannt und war besonders um die Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa und den USA weit verbreitet. Medien behaupten, dass die Seelen der Verstorbenen durch ihre Hände schrieben oder durch ihre Münder sprächen, Gegenstände bewegen oder Geräusche machen könnten.

Astrologie

Bei Astrologie steht der Gedanke im Zentrum, dass das menschliche Leben durch die Gestirne maßgeblich beeinflusst wird, und suggeriert so eine Vorbestimmtheit des Schicksals.

Theosophie

Theosophie („göttliche Weisheit“) ist die Lehre der Okkultistin Helena Blavatsky, welche eine vereinte Weltreligion anstrebt, in der es keinen personalen Gott gäbe. Grundlage der Welt sei vielmehr eine spirituelle Substanz, mit der man sich vereinigen müsse und deren Energie zu eigenen Zwecken genutzt werden könne. Solange dies nicht geschehen sei, wirke in der Welt das Gesetz des Karmas und der Reinkarnation. Um das „mystische Wissen“ zu erwerben, sei es notwendig, seine Leiter und Bewahrer, die sogenannten „Großen Eingeweihten“, „Meister“, „Lehrer“ bzw. „Mahatmas“ zu suchen. (“Mahatmas“ heißen in der Agni-Yoga-Lehre spirituelle Lehrer, die über okkulte Kräfte verfügen und an der „spirituellen“ Evolution der Erde teilnehmen. Sie wohnen angeblich in dem mythischen Ort Shambala im Himalaya. Agni-Yoga sei durch diese Lehrer offenbart worden.)

Die Tradition der Theosophie wurde fortgeführt durch Nicholas und Helena Roerich, welche die „Agni-Yoga“-Lehre entwickelten, und deren Nachfolger.

Anthroposophie

Die Anthroposophie wurde von Rudolf Steiner entwickelt, einem deutschen Theosophen. Sie „eröffne“ im Menschen „geheime spirituelle Kräfte“ zur Vereinigung mit der „spirituellen Grundlage des Weltgebäudes“. Diese geheimen spirituellen Kräfte könne der Mensch mithilfe eines besonderen Erziehungssystems erreichen, das Meditation (Konzentration des Bewusstseins auf ein bestimmtes Ziel) und Eurhythmie (die Kunst der Körperbewegungen, die Sprache und Musik begleiten) beinhalte.

Aus der Anthroposophie ist das System der Walddorf-Pädagogik entstanden. Auch Peter Danow und sein Schüler Michael (Omraam) Aivanhov („Große Weiße Bruderschaft“) haben darauf ihre Doktrinen aufgebaut.

Behauptungen

Gott („das Absolute“) existiere nur innerhalb des Universums, welches aus diesem Absoluten emaniere, indem es sich allmählich „verdichte“. Vom Standpunkt des Absoluten seien Gut und Böse relative Begriffe. Jede Spiritualität sei eine Manifestation des Absoluten. Es werden auch die Einheit des Geistes und der Materie, Pantheismus, die Einheit (die gemeinsame Quelle) und die Gleichwertigkeit aller Religionen behauptet.

Negative Seiten

Es entwickelt sich eine psychologische Abhängigkeit von der „Beherrschung mystischer Kenntnisse“. Selbst der Begriff des Glaubens wird verwaschen, der Glaube an Gott wird durch den Glauben an Weissagungen, Horoskope, „innere Stimmen“ usw. ersetzt.

Vergleich mit dem Christentum


Okkultismus: Der alleinige Gott (das Absolute) sei impersonal und nehme alle Götter in sich auf. Jesus Christus sei einer aus der Reihe der „Großen Eingeweihten“ gewesen (wie auch Buddha, Laotse, Zoroaster, Moses, Mohammed u.a.).
Christentum: Gott ist Eins in drei Personen (Hypostasen): Vater, Sohn und Heiliger Geist. Jesus Christus ist der Sohn Gottes, der fleischgewordene Gott (Lk 1,28-35;Mt 3,16-17; 2 Kor 13,13; 1 Kor8,6;Mt 28,19;Joh 3,16;Joh 1,18;Mk 12,29;Jak 2,19;Joh 17,3;Jud 1,25;Joh 14,26; 1 Tim2,5; 1 Tim1,17). Gott hat dem Menschen alle Kenntnisse gegeben, die er zur Erlösung brauche, und jeder könne sie in der Kirche Christi finden und nutzen.

Okkultismus: Das Menschenleben sei durch Karma, Horoskope, Schicksal usw. vorbestimmt.
Christentum: Das Menschenleben wird durch die freie moralische Wahl des Menschen bestimmt. Der Mensch erschaffe sein Schicksal selbst mit der Hilfe Gottes. Die Lage von Sternen und Planeten, die nach dem Willen Gottes erschaffen sind, hat über den Menschen keine Macht.


Okkultismus: Die Verfügung über geheime, verborgene Kenntnisse ermögliche dem Menschen die Möglichkeit, sich mit dem Universum bzw. mit dem „Großen Geist“ zu vereinigen. Diese Kenntnisse befähigten den Menschen, mit dem Bösen zu kämpfen, da sie dessen Relativität erkennten.
Christentum: Christus hat die Menschheit durch seinen Tod am Kreuz errettet, und durch seine Auferstehung hat ER denjenigen, die an IHN glauben, den Sieg über Tod und Teufel beschert. Die Bemühungen, das okkulte „göttliche Wissen“ zu meistern, ist die durch den Feind eingeflüsterte Bestrebung, die Frucht des Verbotenen Baums zu kosten, um „wie Gott sein zu werden, erkennend Gutes und Böses“ (Gen 3,5).

Okkultismus: Okkultisten sollen einen Geist durch Beschwörungen und Riten dazu bringen können, ihnen zu Willen zu sein.
Christentum: Alles geschieht nach dem Willen Gottes. Niemand kann Gott zwingen, Befehle auszuführen; folglich lebt der Geist, der die Befehle eines Adepten des Okkultismus erfüllt, nicht nach den göttlichen Gesetzen, d.h., er ist ein dämonischer Geist. Jesus Christus hat böse Geister ausgetrieben und die Menschen vollständig geheilt, indem ER ihnen gesagt habe: „gehe hin und sündige nicht mehr“ (Joh 5,14; Joh 8,11).

Okkultismus: Okkultisten weisen die Kirche und das kirchliche Leben zurück.
Christentum: Die Kirche ist durch Gott selbst erschaffen worden: „ich will meine Versammlung bauen, und des Hades Pforten werden sie nicht überwältigen“ (Mt 16,18).

Alle Wunder und Heilungen, sowie auch geheime Kenntnisse und Weihen, die außerhalb des wahren Gottes und gegen seine Gebote vollzogen würden, dienten nicht der Rettung, sondern der spirituellen Verderbnis derjenigen, die auf den Pfaden des Okkultismus wandelten.

Psychologische Aspekte

Okkulte Lehren gehörten zu den destruktiven Organisationen. Der Okkultismus wirkt destruktiv, sowohl für den einzelnen Menschen als auch für die Gesellschaft. Destruktiv sind Organisationen, die sich bei der Anwerbung nicht zu erkennen geben und falsche Versprechungen machen und über ihre Mitglieder ohne deren Einwilligung Bewusstseinskontrolle ausüben.

Betrug bei der Anwerbung: okkulte Gruppen bieten an, sich von somatischen Krankheiten heilen zu lassen, sich zu perfektionieren und die eigene Zukunft zu erfahren, wobei sie in Wirklichkeit die psychologische Abhängigkeit von der Persönlichkeit des Lehrers bzw. des Heilers oder seinen Prophezeiungen anstreben. Bewusstseinskontrolle umfasst Kontrolle des Verhaltens, der Information, des Denkens und der Emotionen.

Verhaltenskontrolle besteht in der Änderung der Lebensweise des Betroffenen und seiner Beziehungen zu Verwandten und Bekannten. Sie äußert sich durch Aggressivität jenen gegenüber, die die Vorschriften der okkulten Gruppe nicht befolgen. Ein häufig angewandtes Druckmittel ist Schlafentzug. In der Gruppe wird in der Regel eine spezielle Diät gehalten (meist streng vegetarisch) und rituelle Handlungen bei Kontakten mit dem Jenseits praktiziert. Der Tagesablauf wird nach Horoskopen, Belehrungen des „Meister“ usw. gestaltet.

Informationskontrolle heißt, dass nur bestimmte Informationen toleriert werden. Der Mensch, der z.B. diese spezielle Literatur gelesen habe, verfüge über geheime Kenntnisse. Kritische Information wird konsequent ignoriert bzw. bekämpft.

Gedankenkontrolle besteht darin, dass dem Betroffenen das okkulte Wertsystem und die von der Gruppe propagierten Ideen aufgezwungen werden. All seine Gedanken und auch sein Hab und Gut händigt der Okkultist der „Obersten Hierarchie“, dem Meister“ oder einem anderen Leiter aus. Durch die Ausnutzung des Strebens des Adepten nach „geheimen Kenntnissen“ manipuliert die Leitung der Gruppe seine Handlungen und sein ganzes Leben. Der Betroffene verliert seinen Willen, indem er ihn Horoskopen, Prognosen, Karma u.ä. unterordnet. In den Gruppen verwenden die „Eingeweihten“ jeweils eine eigene Sprache bzw. eigene Terminologie.

Emotionskontrolle besteht in der Auslösung von Schuld und Angst. An seinen bösen Taten sei der Okkultist selber schuld, da er „schlechtes Karma“ habe oder die „geheimen Kenntnisse“ falsch interpretiere, während diejenigen, die diese „Kenntnisse“ verbreiten, immer Recht haben. Der Betroffene bekommt immer mehr Angst, die Gruppe zu verlassen oder die richtige Anwendung der erhaltenen „Kenntnisse“ nicht richtig lernen zu können und so die Protektion durch die „höheren Mächte“ zu verlieren.

Magier benutzen häufig orthodoxe Gebete, Ikonen und andere Symbole, und führen so Menschen, die ins kirchliche Leben nicht integriert sind, in die Irre. Orthodoxe Betroffene werden, nachdem sie bei Magiern und Zauberern Hilfe gesucht haben, sehr häufig krank und leiden, ohne zu verstehen, dass die okkulte Spiritualität sich prinzipiell von der orthodoxen unterscheidet.

Der Beschluss des Bischofskonzils der Russischen Orthodoxen Kirche „Über die pseudochristlichen Sekten, das Neoheidentum und den Okkultismus“ besagt: „Heidentum, Astrologie, theosophische und spiritistische Gesellschaften (die einst durch Blavatsky begründet worden waren, die für sich beanspruchte, ‚uralte Weisheit‘ zu besitzen, welche Nicht-Eingeweihten verborgen bleibe) und ähnliche Bewegungen untergraben die langjährigen Traditionen und Grundsätze der Völker, treten in Konflikt mit den gesellschaftlichen Institutionen und erklären der Kirche Christi den Krieg. (…)

Heidentum, Astrologie, theosophische und spiritistische Gesellschaften nach Blavatsky sowie die Lehre der ‚Lebendigen Ethik‘ sind mit dem Christentum inkompatibel. Menschen, die die Lehren dieser Sekten und Bewegungen annehmen bzw., mehr noch, ihre Verbreitung fördern, haben sich aus der Orthodoxen Kirche exkommuniziert.“

Weblinks

Fragen und Antworten zur Vereinigung von Menschen, die vom Okkultismus herkommen, mit der Orthodoxen Kirche, zusammengestellt nach der Form der katechetischen Gespräche