Hieronymus von Stridon

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Der hl. Hieronymus
Der hl. Hieronymus, aus dem Lektionar Arnolds von Meissen

Der hl. Hieronymus (* 347 in Stridon, Provinz Dalmatia; † 30. September 420 in Betlehem/Palästina) war ein Gelehrter und Theologe. Er besorgte u.a. die Vulgata, die lateinische Übersetzung des Alten Testamentes. Sein Gedenktag ist der 30. September.

Vita

Der hl. Hieronymus wurde um das Jahr 347 zu Stridon, einer kleinen Stadt, in Dalmatien geboren. Seine Eltern waren Christen und Hieronymus wurde von ihnen zum Studium nach Rom geschickt. Da er erst mit 19 Jahren getauft wurde, durfte er deshalb noch nicht an den Gottesdiensten der Christen teilnehmen. So stieg er an Sonn- und Feiertagen mit Freunden in die Katakomben hinab, um an den Gräbern der heiligen Märtyrer Betrachtungen über ihre Leiden, Kämpfe und Siege anzustellen und zu beten. Allein unter dem Einfluss seiner heidnischen Lehrer wurde der begabte Student von Stolz aufgebläht und durch leichtsinnige Genossen angeleitet, wandte er sich einem lasterhaften Lebenswandel zu. Nach Abschluss seiner Studien in Rom begab sich Hieronymus auf Reisen nach Gallien, um an berühmten Schulen seine Bildung zu vervollkommnen. In Trier am Rhein öffnete ihm Gott die Augen für seine Sünden und er erkannte den Verlust seiner früheren gottseligen Gesinnung. Da entsagte er seiner früheren Vergnügungssucht und begann bei Bischof Valerian in Aquileia, der mit seinen Geistlichen in einem Kloster, nach dem Vorbild des hl. Antonius des Großen lebte, ein geistliches Leben zu führen. Hier empfing Hieronymus durch Bischof Valerian die Hl. Taufe. Anschließend ließ er sich bei einem Priester namens Chromatius nieder. In Emona dem heutigen Laibach wurde Hieronymus wegen seiner raschen Fortschritte im asketischen Lebenswandel der geistliche Vater einiger frommer Asketinnen. Als er hörte, dass seine Schwester, so wie er früher, einen leichtsinnigen Lebenswandel begonnen hatte, besuchte Hieronymus diese und brachte seine Schwester dazu ebenfalls in ein Kloster einzutreten. Dies führte zum Bruch mit seiner Familie. Danach kehrte Hieronymus für kurze Zeit nach Rom zurück, um sich wieder den Studien zu widmen und sich dabei gleichzeitig dem Gebet und der Weltabkehr hinzugeben.

Askese

Dabei wuchs sein Verlangen nach größerer Einsamkeit und strengerer Buße. Deshalb reiste er nach Kleinasien zu den dort lebenden Einsiedlern. Er besuchte die hll. Amos und Makarios und begab sich danach nach Chalkis in die Eremitenwüste, um ihrem Beispiel nachzueifern. Hier lebte er einige Zeit in einer Höhle. Aber trotz der größten sich selbst auferlegten Strenge und Abtötung, durch das Verharren in vollkommener Einsamkeit, wo nur Skorpione und andere wilde Tiere seine Gesellschaft waren, die Beschränkung seiner Nahrung auf gedünstetes Gemüse, und Wasser, das Tragen eines rauen Bußgewandes und das Liegen auf er bloßen Erde, fand er das Ziel all dieser Mühen, die Leidenschaftslosigkeit nicht, sondern im Gegenteil traten Erinnerungen an seine früheren, sündigen Erlebnisse ständig vor sein geistiges Auge. Da nahm er zusammen mit den Anstrengungen der Selbstverleugnung seine Zuflucht bei den Tränen, und wenn er lange geweint und seine Augen hilfesuchend zum Himmel erhoben hatte, sah er sich bisweilen zu den Chören der Engel entrückt und sang mit ihnen Loblieder zum Preise des Allerhöchsten. Da aber trotz allem der Hang zur Verzweiflung fortdauerte, setzte Hieronymus nach einiger Zeit, zur Vertreibung seiner finsteren Gedanken seine literarischen Studien fort. Unter Anderem schrieb er nun die Lebensbeschreibung des hl. Paulus dem ersten Eremiten. Außerdem begann er Hebräisch zu erlernen und las nebenher auch regelmäßig Cicero, um im Lateinischen geläufig zu bleiben. Da hatte er eine nächtliche Vision: Er sah sich vor den Weltenrichter gestellt, und der fragte ihn wes Glaubens er sei. Hieronymus gab zur Antwort: “Ich bin Christ.“ “Du lügst“, erwiderte der Ewige Richter, „ein Ciceronianer bist du, kein Christ; denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ Hierauf wurde Hieronymus zur Geißelung verurteilt und empfindlich geschlagen. Der Heilige versprach dem Richter nie wieder weltliche Schriften zu lesen, und verlegte sich von nun an um so eifriger auf die Lesung und Betrachtung der Hl. Schrift, die er fast nie mehr aus der Hand legte. Mit 45 Jahren zog sich Hieronymus, um fortgesetzten Streitigkeiten mit Häretikern zu entgehen und wegen der übergroßen Strenge des Einsiedlerlebens in der Chalkis, nach Antiochia zurück.

In Rom

Hier wurde er von Bischof Paulinus zum Priester geweiht, mit der Bedingung keinem bestimmten Bischof unterstellt zu sein. Nach einem Aufenthalt im Heiligen Land verweilte Hieronymus von 379 bis 382 in Konstantinopel. Hier hörte er den hl. Gregor von Nazianz, und als Folge wünschte sich der hl. Hieronymus die griechische Theologie ins Lateinische zu übersetzen. Im Jahre 383 reiste Hieronymus auf Einladung von Bischof Damasus nach Rom und übersetzte hier die Evangelien ins Lateinische. Gleichzeitig wurde er der geistliche Vater einiger römischer Matronen aus dem höchsten Adel. In einer Streitschrift gegen Helvidius verteidigte Hieronymus die rechtgläubige Auffassung von der immerwährenden Jungfräulichkeit der Gottesgebärerin Maria, und bewies, das die in der hl. Schrift erwähnten Brüder und Schwestern Christi, keine leiblichen Kinder der Maria, sondern Vettern und Cousinen, Christi sind. Durch die geistigen Unterweisungen des hl. Hieronymus entschloss sich die reiche Römerin Paula zu einem asketischen Leben. Nach dem Tod von Bischof Damasus 384 und der Tochter von Paula, wurden gegen den hl. Hieonymus von Seiten der römischen Kleriker erbitterte Vorwürfe gemacht; unter anderem wurde er beschuldigt durch seine strengen Fastenvorschriften den frühen Tod von Paulas Tochter mitverursacht zu haben.

In Bethlehem

385 verließ Hieronymus deswegen Rom und lies sich zusammen mit der hl. Paula und der reichen Römerin Eustochium nach einer Reise durch Palästina und Ägypten in Bethlehem nieder. Hier lebte er etwa 34 Jahre bis zu seinem Tod im Jahre 420 als Vorsteher eines Mönchsklosters und einer Schule, sowie als geistlicher Vater des von der hl. Paula gegründeten Nonnenklosters. Wie früher führte er das strengste Bußleben. Schwarzes Brot war seine Nahrung, ein schlechtes Gewand umhüllte seinen abgemagerten Leib, der nackte Boden war sein Lager, nur wenige Stunden schlief er, und immer betete er oder las. In Bethlehem übersetzte er die Heilige Schrift aus dem Griechischen und Hebräischen ins Lateinische. Seit dem 13. Jahrhundert wird diese Übersetzung von den Lateinern “Vulgata“ genannt. Hieronymus schrieb auch Kommentare zu allen Prophetenbüchern, den Psalmen, zu Qohelet, zum Matthäusevangelium, zum Galater-, Epheser-, Philipper- und Titusbrief. Im Jahre 393 schrieb er eine Verteidigungsschrift gegen die Ansichten des Mönches Jovianus, welcher die Meinung vertrat, dass das eheliche Leben, die Witwenschaft und das jungfräuliche Leben gleichwertig seien, und dass die Taufgnade die Askeseübungen überflüssig mache. Hieronymus bekräftigte demgegenüber das Mönchsideal und die Notwendigkeit der persönlichen Askesemühen zur Erlangung des ewigen Heils. In weiteren Schriften verteidigte er die Reliquienverehrung, die Verehrung der Märtyrer und das orthodoxe Mönchtum. Überliefert ist auch eine Literaturgeschichte mit dem Titel “De viris illustribus”. Wegen seines Eifers im Kampf mit den Feinden der Kirche wurde der hl. Hieronymus auch der Hammer der Ketzer und Beschützer der Rechtgläubigkeit genannt. Keine Gefahr, keine Bedrohung durch Sektierer, selbst der Tod konnten ihn nicht davon abhalten. “Der Hund“, schrieb er einst, „bellt für seinen Herrn, und du willst, dass ich soll nicht reden für meinen Gott! Sterben kann ich, aber schweigen kann ich nicht.“ So erwarb er sich die Liebe aller orthodoxen Christen. Durch seine gelehrten Bücher und seinen tugendhaften Lebenswandel wurde sein Name in der gesamten rechtgläubigen Welt bekannt und von Nah und Fern reisten Männer und Frauen zu ihm nach Bethlehem um den Heiligen nur zu sehen. Aber fest verankert im Glauben und in der dem Evangelium gemäßen Lebensweise, nahm er daran keinen Schaden, sondern hielt sich ständig den Spruch Christi vor Augen: “Lernet von Mir, weil ich sanftmütig und von Herzen demütig bin.“In der Auslegung der Hl. Schrift verließ sich der hl. Hieronymus nie auf seine eigene Meinung, sondern fragte im Gebet Gott und anschließend fromme Männer, ob seine Gedanken richtig sind oder nicht, dabei wandte er sich auch an den sel. Augustinus, den Bischof von Hippo. Um sich in der Demut zu bewahren, stellte er sich auch immer sein Sünden vor Augen und bat Gott nicht der Sünden seiner Jugend und seiner Unwissenheit zu gedenken. Verbunden hiermit dachte der hl. Hieronymus häufig an das Jüngste Gericht und bekannte: “So oft ich an jenen entsetzlichen Tag des Gerichtes denke, erzittere ich am ganzen Leibe. Ich mag essen oder trinken oder etwas anderes tun, so kommt mir beständig vor, als hörte ich jenen schrecklichen Posaunenschall: Stehet auf, ihr Toten, kommet zum Gerichte.“ Auch in Bethlehem war der hl. Hieronymus schließlich der Verfolgung ausgesetzt. Seine Gesinnung hierzu wird wie folgt wiedergegeben: “Wollte Gott, alle Ungläubigen erhöben sich zugleich gegen mich! Ich wünschte, dass die ganze Welt sich vereinigte, meinen Wandel zu schmähen, um dadurch das Wohlgefallen Jesu Christi zu erlangen. Ihr betrüget euch, wenn ihr meinet, dass ein Christ ohne Verfolgung leben könne; die größte, die einem widerfahren kann, ist die, keine bestehen zu haben. Nichts ist mehr zu fürchten als zu langer Friede; zur Zeit des Sturms ist der Mensch auf der Hut und spannt seine Kräfte an, um das Schiff zu retten. - Es ist Gnade, wenn jemand aus Gewissenhaftigkeit um Gottes Willen Widerwärtigkeiten erträgt und Unrecht leidet. Denn nicht wenn wir Tadelnswertes getan haben und darüber Schmach erleiden dürfen wir uns rühmen, sondern wenn wir im Guttun aushalten und darüber verleumdet werden.“

Krankheit und Tod

Neben den Verfolgungen erreichten den hl. Hieronymus im Alter auch Krankheiten als Folge des Ausgezehrtseins seiner Kräfte durch das strenge Fasten und das intensive Studium, so dass er oft liegen musste. Wenn es seine Kräfte aber zuließen erhob er sich und betätigte sich, unter anderem auch in der von ihm errichteten Pilgerherberge, wo er nicht selten die niedrigsten Dienste verrichtete. Wenige Jahre vor seinem Tod überfielen Anhänger der pelagianischen Sekte die Klostergebäude, plünderten und brannten sie nieder. Der hl. Hieronymus entkam nur knapp ihren Händen. Nachdem diese wieder abgezogen waren kehrte er wieder nach Bethlehem zurück, wo ihn bald ein schleichendes Fieber befiel. Mit Freude über die bevorstehende Anschauung Gottes, gab er nachdem er noch an den Göttlichen Mysterien teilgenommen hatte am 30. September 420, in Frieden seinen Geist auf. Sein Leib wurde zuerst in Bethlehem beerdigt und später nach Rom überführt, wo er bis heute in der Kirche Santa Maria Maggiore aufbewahrt wird. Dort werden auch ein Abendmahlskelch und ein liturgisches Gewand des hl. Hieronymus gezeigt.

Textnachweis

Dieser Text stammt aus: "Orthodoxe Heiligenleben", Vorabdruck im Internet, S.219ff. Scan des Kapitels über den Hl. Hieronymus. Mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber.

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