Hauspatronatsfest, Krsna Slava

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Das Hauspatronatsfest (serbisch: Крсна Слава [Krsna Slawa]) ist ein kirchlich-familiärer Feiertag welcher seine Tradition in der serbisch-orthodoxen Kirche hat. Sie steht in Verbindung mit der Christianisierung der Südslawen, die im 9. Jahrhundert ihren weitgehenden Abschluss gefunden hat. Beim Hauspatronatsfest wird an den Hauspatronen (Heiligen) gedacht was auch die einzige Ähnlichkeit mit dem Namenstag in der russisch- und griechisch sprachigen Tradition ist. Der Hauspatron ist familiär bedingt und nicht persönlich wie beim Namenstag und wird von Generation zu Generation an die Söhne weitergegeben.

Was ist ein Hauspatronfest?

Die Slawa entstand als Erinnerung an jene Stammesvorfahren, die als erste den christlichen Glauben angenommen hatten. So wie jede christlich-orthodoxe Kirche einem bestimmten Feiertag aus der Heilsgeschichte oder einem Heiligen geweiht ist, so ist auch jede Familie, jeder Familienstamm, einem eigenen Hauspatron geweiht, der als Beschützer und Vermittler der Familie - als Kirche im Kleinen - gilt. Das Hauspatronfest besteht demnach aus zwei Grundelementen: aus der Erinnerung an die Christianisierung bzw. Taufe der Vorfahren und aus der Verehrung des Familienschutzpatrons.

Dem Ursprung nach, ist die serbische Slawa ein kirchlich-familiäres Fest, das zuerst in der Kirche gefeiert wird, beim Gottesdienst, der Heiligen Liturgie, und erst danach in der Wohnstätte der Familie fortgesetzt wird. Damit wird zum Ausdruck gebracht, dass die Familiengemeinschaft die Fortführung der Kirchengemeinschaft darstellt.

Was braucht man für die Slawa?

Hauptelemente eines Hauspatronatsfestes

Die wichtigsten Elemente des Hauspatronatfest sind:

  • Kerze
  • Brot (serbisch: slawski kolatsch)
  • Wein
  • Weizen

Darüber hinaus sollte jede Familie folgendes haben:

  • eine Ikone des Hausheiligen
  • ein Öllicht (das vor der Ikone brennt, serbisch: kandilo)
  • ein Weihrauchgefäß (serbisch: kadionica)

Wie wird die Slawa gefeiert?

Zelebrierung des Ritus am Hauspatronatfestes

Die Feierlichkeiten des Hauspatronfestes beginnen mit dem Besuch des Priesters im Haus der Familie, einige Tage vor dem Festtag. Dabei wird die Kleine Wasserweihe vollzogen, als gemeinsames Hausgebet der Familie mit dem Priester. Der Priester erbittet die Herabkunft des Heiligen Geistes, zur Heiligung und Errettung der Hausbewohner. Mit dem geweihten Wasser besprengt er daraufhin alle Wohnräume und die anwesenden Familienmitglieder. Ein Teil des Wassers wird später zur Vorbereitung des Slawa-Brotes und des Weizens verwendet.

Am Tag der Slawa entzündet der Hausherr die vorbereitete Kerze, die den ganzen Tag brennt. Daraufhin wird die Ordnung des Brotbrechens und der Weihe des Weizens, gemeinsam mit dem Priester, vollzogen.

Der Weizen wurde vorher gekocht und gezuckert. Im Gebet zur Weihe des Weizens bittet der Priester, dass Gott jenen, die diesen Weizen zur Ehre und zum Andenken des verehrten Heiligen dargebracht haben, die Gebete erhören möge.

Der Weizen ist nicht ein Totengedenken für den Heiligen des Hauspatronfestes, wie dies vielerorts geglaubt wird, sondern das Symbol der Auferstehung und des Ewigen Lebens, und verbindet die verstorbenen und lebenden Familienmitglieder in eine Gemeinschaft. Im Besonderen betet der Priester für alle Verstorbenen, die dieses Hauspatrongest gefeiert haben. Deshalb gibt es keinen Grund, bespielsweise bei der Slawa zu Ehren des Erzengels Michael (Arandjelovdan) auf den Weizen zu verzichten.

Was macht man mit dem Brot?

Slawa-Brot

Nach dem Gebet für den Weizen segnet der Priester das Slawa-Brot und den Wein, erhebt das Brot in Richtung der Slawa Ikone, schneidet es daraufhin in Kreuzform auf und übergießt es mit Wein. Daraufhin wird das Brot gemeinsam dreimal gedreht und anschließend geküsst, mit den Worten: "Christus ist unter uns - jetzt und immerdar!" (serbisch: "Hristos je medju nama - i jeste i bice").

Das Brot und der Wein sind Symbole Jesu Christi, der eben Brot und Wein bei der Einsetzung des Abendmahls, der Eucharistie, verwendet hat. Demnach ist die Slawa die Fortführung der kirchlichen liturgischen Feier in der Heimstätte der Gläubigen.

Falls der Priester nicht in das Haus der Familie kommen kann, um gemeinsam den Ritus der Slawa mit den Familienmitgliedern zu vollziehen, sollte man das Brot und den Weizen am Festtag der Slawa in die Kirche bringen, um es dort gemeinsam mit dem Priester zu segnen und zu brechen.

Welche Slawas gibt es?

Die meisten serbischen Hauspatronfeste werden zu Ehre der Heilgien Erzengel Michael (Arandjelovdan), Nikolaus von Myra (Sveti Nikola), Johannes des Täufers (Sveti Jovan), Georgios (Sveti Georgije - Djurdjev-dan), Paraskeva (Sveta Petka) gefeiert.

Wie wird die Slawa "übertragen"?

Die Slawa wird vom Vater auf den Sohn übertragen bzw. von der einen auf die nächste Generation, was die Besonderheit der serbischen Slawa ist im Vergleich zu den familiären Festen anderer orthodoxer Völker ausmacht.

Sobald der Sohn das elterliche Haus verlässt und seine eigene Familie gründet, sollte er auch in seinem Haus die Slawa feiern. Dies vor allem dann, wenn er weit weg von seinem Vater lebt (z.B. im Ausland) und nicht die Möglichkeit hat, am Slawa-Tag bei den Eltern zu sein. Die Slawa ist kein Fest des Hauses oder der Wohnung, sondern ist ein kirchlicher und familiärer Feiertag, der unabhängig vom Aufenthaltsort gefeiert werden soll.

Wann wird die Slawa gefeiert?

In der Regel wird die Slawa einen Tag gefeiert. Allerdings gibt es Gegenden, in denen bereits am Vortag gefeiert wird, das Brot auch am Vorabend gebrochen wird und die Feierlichkeiten am Tag nach der Slawa fortgeführt werden.

Die Feier der Slawa wird nicht unterbrochen, auch dann nicht, wenn sich im laufenden Jahr ein Todesfall in der Familie ereignet hat. Gerade in Zeiten der Trauer sollte man das häusliche Gebet verstärken, und außerdem wird ja gerade der Weizen auch für das Totengedenken der verstorbenen Familienmitglieder vorbereitet und geweiht.

Wann muss zur Slawa gefastet werden?

Da das Slawa-Essen die Fortführung des liturgisch-kirchlichen und eucharistischen Ritus und Abendmahls ist, sollte das Essen auch gemäß den kirchlichen Verordnungen zubereitet werden, also Fastenessen am kirchlichen Fastentag. Jene Slawa, die in den mehrwöchigen Fastenwochen gefeiert werden (z.B. Sv. Nikola oder Sv. Ignjatije), sollten ausschließlich mit Fastenessen begangen werden. Genauso fastet man an allen anderen Slawas, die zwar außerhalb der Fastenzeit liegen, aber an einem Mittwoch oder Freitag fallen. Wenn sich die Feiernden an diese kirchlichen Regeln nicht halten, dann wird der gesamte Ritus in frage gestellt. So eine Feier ist lediglich ein gewöhnliches Fest und verliert damit die Verbindung mit dem Heiligen, zu dessen Ehre es eigentlich gefeiert wird.

Wie wird das Slawa-Brot (serbisch: kolatsch) zubereitet?

Das Slawa-Brot ist ein einfaches Weizenbrot, zubereitet mit geweihtem Wasser und versehen mit dem sog. Slovo, d. h. mit dem Stempel mit den Christus-Initialen ИС-ХС НИ-КА (kyrillische Schriftzeichen, aus dem Altgriechischen, mit der Bedeutung: "Jesus Christus siegt"). Ist die Slawa an einem Fastentag kann man dem Teig Margarine und Öl hinzufügen, ansonsten sind auch Milch und Butter erlaubt. Gebacken wird das Slawa-Brot in einem Topf und verziert mit Teigzöpfen und dem Slowo.

Wie wird der Weizen (zito, koljiv) zubereitet?

Slawa-Weizen

Man nimmt etwa 300g Weizen und kocht es so lange, bis die einzelnen Körner aufplatzen. Nach dem Trocknen legt man sie in eine Schüssel, gibt Zucker oder Honig dazu, und dekoriert den Weizen kreuzförmig mit Würfelzucker, Walnüssen oder Bonbons.

Möchte man den Weizen mit Walnüssen zubereiten, sollte man folgendermaßen vorgehen: Den gekochten und getrockneten Weizen fein mahlen (z. B. mit einem Fleischwolf), ca. 300g gemahlene Walnüsse und Zucker dazu geben und alles sorgfältig vermischen, auf einen Teller oder Schüssel servieren, ebenfalls mit Walnüssen oder Würfelzucker kreuzförmig dekorieren.

Erstveröffentlichung und Urheberrecht

  • Kolundzic Radomir: Das Hausptronfest (Krsna Slawa), in: Црква, Jahrgang: 35, Nr. 99 (2012). Das Lemma ist eine Übersetzung aus dem Serbischen. Die Übersetzung dieses Lemmas besorgte Bogoslov05.