Gregor der Wundertäter

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Der Heilige Gregor der Wundertäter

Der Heilige Gregor der Wundertäter (Thaumaturgos)

Gedenktag: 17. November

Der Heilige Gregor der Wundertäter war Bischof von Neocaesarea im nördlichen Kleinasien, wo er als Kind von Heiden geboren worden war. Er erhielt eine gute Ausbildung und strebte von Jugend auf nach der Wahrheit; die antiken Denker aber vermochten seinen Wissensdurst nicht zu stillen. Wahrheit offenbarte sich ihm nur im Heiligen Evangelium, und so wurde der junge Mann Christ.

Um seine Studien zu vertiefen, zog der Hl. Gregor nach Alexandria, das damals als Zentrum heidnischer und christlicher Gelehrsamkeit bekannt war. Der Jüngling, begierig nach Wissen, ging an die Katechetenschule, an der der Priester Origen lehrte. Dieser war ein berühmter Lehrer und besaß große Geisteskraft und tiefgehende Kenntnisse. Der Hl. Gregor wurde sein Schüler. Später schrieb er über seinen Mentor: „Dieser Mann hatte von Gott die großartige Gabe erhalten, das Wort Gottes den Menschen zu vermitteln; es zu begreifen, wie Gott selbst es gemeint hatte, und es den Menschen so zu erklären, dass auch sie es begreifen konnten.“ Der Hl. Gregor lernte acht Jahre bei Origen und wurde auch von ihm getauft.

Das asketische Leben des Hl. Gregor, seine Standhaftigkeit, Reinheit und Begierdelosigkeit erregte Missgunst bei seinen dünkelhaften und sündhaften Kollegen, die Heiden waren; und sie beschlossen sie, ihn zu verleumden. Als er einmal auf dem Stadtplatz mit Philosophen und Lehrern disputierte, trat eine berüchtigte Dirne zu ihm hin und verlangte Bezahlung für die Sünde, die er angeblich mit ihr getrieben habe. Zuerst wies sie der Hl. Gregor höflich zurück und meinte, sie habe ihn wohl mit jemandem verwechselt. Aber das verdorbene Weib ließ sich nicht beruhigen. Da bat er einen Freund, ihr das Geld zu geben. Aber sowie diese die unverdiente Bezahlung empfangen hatte, fiel sie in einem dämonischen Anfall zu Boden, und der Betrug wurde offenbar. Der Hl. Gregor sprach ein Gebet über ihr, und der Teufel gab sie frei. Dies war das erste der Wunder des Hl. Gregor.

Nachdem er nach Neocaesarea zurückgekehrt war, zog er bald darauf in die Wüste, um den weltlichen Angelegenheiten zu entfliehen, mit denen ihn die Stadtoberen ständig belangten; und durch Fasten und Beten erlangte er hohe geistliche Fähigkeiten und die Gaben der Hellsicht und Prophetie. Der Hl. Gregor liebte das Leben in der Wildnis und wollte so bis zum Ende seiner Tage in Einsamkeit verbleiben; aber der Herr hatte andere Pläne mit ihm.

Der Bischof der Stadt Amasea in Kappadokien, Thedimos, der vom asketischen Leben des Hl. Gregor gehört hatte, wollte ihn zum Bischof von Neocaesarea machen. Aber weil er die Absicht des Thedimos vorhergesehen hatte, verbarg sich der Heilige vor den Botschaftern des Bischofs, die ausgesandt worden waren, ihn aufzuspüren. Da ordinierte ihn Thedimos in Abwesenheit, und bat flehentlich zu Gott, er möge diese ungewöhnliche Ernennung gutheißen. Dieses außergewöhnliche Ereignis verstand der Hl. Gregor als Maniferstation des göttlichen Willens und wagte sich nicht weiter zu widersetzen. Diese Episode seines Lebens wurde vom Hl. Gregor von Nyssa (Gedenktag: 10. Januar) aufgezeichnet; er berichtet, dass der Hl. Gregor von Neocaesarea die bischöfliche Würde erhalten habe, nachdem Bischof Thedimos von Amasea die kanonischen Riten an ihm vollzogen hatte.

Zu dieser Zeit begannen sich die Häresien des Sabellius und des Paulus von Samosata auszubreiten. Beide lehrten Falsches in Bezug auf die Heilige Dreifaltigkeit. Der Hl. Gregor betete glühend und gewissenhaft und flehte Gott und seine Allerheiligste Mutter an, ihm den wahren Glauben zu offenbaren. Daraufhin erschien ihm, strahlend wie die Sonne, die Allerheiligste Jungfrau Maria, begleitet von Apostel Johannes dem Theologen gewandet im erzbischöflichen Ornat.

Auf Weisung der Mutter Gottes lehrte Apostel Johannes den Heiligen, wie er sich zum Mysterium der Heiligen Dreifaltigkeit richtig und angemessen bekennen möge. Der Hl. Gregor schrieb alles nieder, was ihm Johannes der Theologe offenbart hatte. „Das Mysterium des Glaubensbekenntnisses“, verfasst vom Hl. Gregor von Neocaesarea, ist eine große göttliche Offenbarung in der Geschichte der Kirche; sie liegt der Lehre über die Heilige Dreifaltigkeit in der Orthodoxen Kirche zugrunde. Sie wurde später auch von den Heiligen Kirchenvätern verwendet: Basilios dem Großen, Gregor dem Theologen und Gregor von Nyssa. Das Glaubensbekenntnis („Symbol des Glaubens“) des Hl. Gregor von Neocaesarea wurde im Jahr 325 vom Ersten Ökumenischen Konzil geprüft und anerkannt, was seine fortdauernde Bedeutung für die Orthodoxie beweist.

Nachdem er zum Bischof geweiht worden war, machte sich der Hl. Gregor auf von Amasea nach Neocaesarea. Auf seinem Weg trieb er die Teufel aus einem heidnischen Tempel aus und bekehrte dessen Priester zu Christus. Dieser wurde Zeuge eines weiteren Wunders des Heiligen, als auf dessen Wort hin ein Stein sich durch die Luft bewegte.

Die Predigten des Heiligen waren geradeheraus, lebhaft und fruchtbar. Er lehrte und wirkte Wunder im Namen Christi: er heilte Kranke, half den Bedürftigen und schlichtete Streitigkeiten. Zwei Brüder konnten sich nicht über die Aufteilung des Erbes ihres toten Vaters einig werden. Es ging um einen großen See, den jeder der beiden für sich beanspruchte. Beide hatten ihre Kumpanen um sich gesammelt und waren bereit, sich zu schlagen. Der Hl. Gregor brachte sie dazu, ihren Kampf um einen Tag aufzuschieben, und betete die ganze Nacht lang am Ufer des Sees, an dem sich der Streit entzündet hatte. Als der Morgen dämmerte, konnte jeder sehen, dass der See trockengefallen war. Durch das inbrünstige Gebet des Heiligen war nur ein Rinnsal übriggeblieben, dessen Verlauf die Grenze markieren konnte. Ein anderes Mal gebot er einem Hügel, sich hinwegzuheben und Platz zu machen für den Bau einer Kirche.

Als unter Kaiser Decius (249-251) eine Christenverfolgung aufkam, führte der Hl. Gregor seine Herde zu einem abgelegenen Berg. Ein Heide, der das Versteck der Christen kannte, verriet sie an die Verfolger. Soldaten umstellten den Berg. Der Heilige ging hinaus auf eine freie Fläche, erhob seine Hände zum Himmel und wies seinen Diakon an, es ihm gleichzutun. Die Soldaten durchsuchten den ganzen Berg und kamen dabei mehrmals genau an den Betenden vorbei, ohne sie zu sehen, und gaben schließlich auf und zogen ab. In der Stadt berichteten sie, dass es auf dem Berg kein Versteck gebe und sich niemand dort aufhalte; nur zwei Bäume hätten dort nebeneinander gestanden. Der Verräter war darüber sehr betürzt; er bereute seine Taten und wurde ein glühender Christ.

Der Hl. Gregor kehrte nach Ende der Verfolgung nach Neocaesarea zurück. Mit seinem Segen wurden verschiedene Kirchenfeste zu Ehren der Märtyrer, die für Christus gelitten hatten, einberufen.

Durch seinen heiligen Lebensweg, seine wirkmächtigen Predigten, seine Wundertaten und die begnadte Führung seiner Herde bekehrte der Heilige immer weitere Menschen zu Christus. Als der Hl. Gregor zum ersten Mal seine Kathedrale betrat, gab es erst 17 Christen in Neocaesarea; bei seinem Tod gab es nur noch 17 Heiden in der Stadt.