Eucharistische Ekklesiologie

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Eucharistische Ekklesiologie ist die von Erzpriester Nikolaj Afanasjew erarbeitete theologische Reflexion über das Wesen und die Bedeutung der Kirche im Kontext von Gottes Wirken zum Heil der Menschen. Diese durch die kirchliche Erfahrung begründete Lehre betrachtet die Kirche vor allem als Gemeinde, die hierarchisch und sakramentologisch vereint ist. Die Grundlage der Kirche als des Leibes Christi, also einer mystischen Einrichtung, sei nach Afanasjew eben die eucharistische Versammlung. Folglich sei jede Gemeinde, die sich nach bestimmten Regeln versammelt hat, um am Sakrament der Eucharistie teilzunehmen, die Kirche. Der eucharistischen Ekklesiologie steht die in der akademischen Theologie verwurzelte universalistische Ekklesiologie gegenüber, die die Kirche traditionell als Summe der Diözesen betrachtet, die in sakramentologischer Gemeinschaft miteinander stehen. Die universalistische Ekklesiologie manifestiert sich in der katholischen Lehre über das päpstliche Primat. Ein besonderer Wert der theologischen Forschung Afanasjews liegt darin, dass er die Einheit der Ekklesiologie mit den anderen theologischen Disziplinen und selbst der Praxis des kirchlichen Lebens hergestellt hat. Dank dieser Besonderheit hatte die eucharistische Ekklesiologie im Sinne Afanasjews einen beträchtlichen Einfluss nicht nur auf die russische, sondern auch auf die römisch-katholische Lehre über die Kirche sowie auf die Entstehung der modernen ökumenischen Bewegung.