Einzug des Herrn

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Orthodoxes Glaubensbuch - Der Einzug des Herrn in Jerusalem

Dieses Fest wird am Sonntag vor der Karwoche nach dem Lazarus-Samstag gefeiert.


Diese zwei Feste, der Lazarus-Samstag und der Einzug des Herrn in Jerusalem (der auch Palmsonntag heißt), sind nicht nur durch die Ereignisse miteinander verbunden, die im Evangelium beschrieben werden, sondern auch durch einen gemeinsamen liturgischen Text – das Troparion. Das Fest des Einzugs des Herrn in Jerusalem ist eines der “zwölf Feste”.

An diesem Tag erinnern wir uns, wie die Juden, die zum Paschafest nach Jerusalem gekommen waren, Jesus als Messias, als Propheten und großen Wundertäter begrüßten; sie wussten nämlich, dass Er kurz zuvor Lazarus von den Toten auferweckt hatte, obwohl dieser schon vier Tage im Grab gelegen war. Erwachsene und Kinder sangen Ihm “Hosanna!”, legten ihre Kleider unter die Füße des Esels, auf dem Er ritt, und empfingen Ihn mit grünen Zweigen und Blumen.

Diese Zeichen der Aufmerksamkeit entsprachen der wahren Bedeutung der Mission Jesu und Seiner göttlichen Würde. Er kam nach Jerusalem, in die heilige Stadt, wo sich der Tempel des Herrn befand, den Jesus selbst als Haus Seines Vaters bezeichnete; Er kam als König, als Herr, als Sohn Gottes. Gleichzeitig aber kam Er in die Stadt, um zu leiden, was Ihm bewusst war. Es begrüßte Ihn das Volk, das Ihn einige Tage später dem Gericht, der Geißelung und Kreuzigung überantwortete, das Volk, das Ihn einige Tage später verspottete und sich über Seine Erniedrigung freute. Er kam in die Stadt, um für die Erlösung der Menschen der ganzen Welt zu leiden, in die Stadt, über die Er wenig später sagen wird, dass sie der Zerstörung anheimfalle, da sie ihre Bestimmung nicht erkannt habe.

Die Ereignisse, an die dieses Fest erinnert, sind bei allen vier Evangelisten genau beschrieben. Dieses Fest heißt in Russland seit langem “Weidensonntag” (verbnoe voskresen'je). Dieser Name kommt daher, dass an diesem Fest die Gläubigen gewöhnlich mit Zweigen verschiedener Weidengewächse oder anderer Bäume, die im Frühling als erste Knospen treiben, in den Gottesdienst kommen, als Symbol für die Zweige, welche die Juden trugen, als sie Jesus in Jerusalem begrüßten. Natürlich verwendet man im Süden Blumen und Zweige anderer Bäume – in der Regel Palmen. In Russland, wo es solche Bäume nicht gibt und wo die Weiden die ersten sind, die austreiben, wurden schon seit früher Zeit Weiden verwendet, daher wurde dieses Fest auch “Weidensonntag” genannt. Aber sein eigentlicher Name ist “Einzug des Herrn in Jerusalem” oder Palmsonntag.

In die Weidenbuschen werden Kerzen gesteckt. Die Weiden werden bei der Matutin am Vorabend des Palmsonntags geweiht und danach das ganze Jahr zu Hause bei den Ikonen als etwas Heiliges aufbewahrt.

Das Fest des Einzugs des Herrn in Jerusalem leitet in die Karwoche über, auf ihm liegt bereits das Siegel der bevorstehenden Leidenstage. Trotzdem ist es ein großer Tag der Verherrlichung des himmlischen Königs, der Verherrlichung der göttlichen Natur Jesu Christi. Dabei wird auch der Auferweckung des Lazarus von den Toten gedacht. Beide Festtage sind miteinander verbunden, denn wir sehen in Lazarus nicht nur das Vorbild der Auferstehung Christi, sondern auch unserer Auferstehung. Davon wird auch im Troparion des Festes gesungen. Dieses Vorbild schenkt uns große Hoffnung, und deshalb ist das Fest des Einzugs des Herrn in Jerusalem auch ein Freudentag, ungeachtet der bevorstehenden Karwoche (über die Karwoche siehe “Die Große Fastenzeit”).


Die liturgische Kleidung an diesem Fest ist gold-grün als Symbol für die Zweige, mit denen Christus begrüßt wurde.


Troparion, 1. Ton:

Schon vor Deinem Leiden die allgemeine Auferstehung bezeugend, hast Du Lazarus von den Toten auferweckt, Christus, Gott! Deshalb rufen auch wir, wie die Kinder die Sinnbilder des Sieges tragend, Dir, dem Sieger über den Tod, zu: Hosanna in der Höhe, gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn!

Kontakion, 6. Ton:

Auf dem Throne im Himmel, auf dem Eselfohlen auf der Erde, hast Du, Christus, o Gott, das Loblied der Engel und den Gesang der Kinder aufgenommen, die Dir zuriefen: Gesegnet, der Du kommst, Adam aus der Unterwelt zu befreien! An diesem Tag ist, wie auch am Fest Mariä Verkündigung, trotz der Fastenzeit das Essen von Fischspeisen gestattet.

Ikonographie

Orthodoxes Glaubensbuch - Die Ikonographie des Festes

Christus zog eine Woche vor Seiner Kreuzigung in Jerusalem ein. Am Ölberg rief Jesus zwei Seiner Jünger zu Sich und gebot ihnen, ins nächste Dorf zu gehen, um dort einen Esel zu holen. Wenn sie gefragt würden, wofür sie den Esel holten, sollten sie antworten, dass ihn der Herr benötige.

Der Esel wurde gebracht, die Jünger legten ihre Gewänder auf ihn, Christus setzte sich darauf und ritt los. Vor der Stadt kamen ihnen viele Menschen entgegen. Der Erlöser wurde mit Jubelrufen und Baumzweigen begrüßt, die Menschen breiteten ihre Gewänder auf der Straße aus.

Dies geschah am letzten Sonntag vor dem Paschafest, der heute auch Palmsonntag genannt wird. In Russland wurden die Palmzweige durch Weidenzweige ersetzt und deshalb heißt der Sonntag des Einzugs Christi in Jerusalem auch der Weiden-Sonntag.

Auf den Ikonen wird Christus auf einem Esel reitend dargestellt. Er reitet in die Stadt Jerusalem. Christus und Seine Jünger werden vom Volk begrüßt, Sein Weg wird mit Gewändern und Palmzweigen ausgelegt. Häufig sieht man auch Alltagsszenen mit Kindern.

Die Ikone Andrej Rublevs “Einzug in Jerusalem” befindet sich in der Ikonostase der Mariä-Verkündigungs-Kathedrale, die Ikone der Schüler Rublevs in der Dreifaltigkeitskathedrale der Dreifaltigkeits-Sergius-Lavra.

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