Barnabas, hl. Apostel

Aus Orthpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Barnabas, hl. Apostel.jpg

Gedenktage: 4. Januar (Synaxis der 70 Apostel), 11. Juni

Der hl. Apostel Barnabas (griechisch Βαρνάβας) war Sohn eines jüdischen Gutsbesitzers aus Salamis auf Zypern und hieß eigentlich Iosias (Joses oder Joseph/Josef). Die Familie gehörte zum jüdischen priesterlichen Stamm Levi und war von Syrien nach Zypern emigriert. Zypern unterstand als prätorische Provinz um jene Zeit einem Proprätor, einem direkten Vertreter des römischen Kaisers. Salamis genoß wie acht weitere zypriotische Städte, darunter Kition, Paphos, Kurion und Arsinoe, römisches Stadtrecht. Iosias wurde von seinen sehr wohlhabenden Eltern nach Jerusalem geschickt, um dort die berühmte Schule des Gamaliel zu besuchen. Einer seiner Mitschüler war der Apostelfürst Paulus. Als Barnabas Christ wurde, betete er zu Gott, daß Er Paulus Verstand erleuchten möge, so daß auch Paulus Christ würde. Barnabas sprach häufig zu Paulus über den Herrn Christus, doch Paulus verspottete ihn und dachte, er sei irregeleitet. Doch der gnädige Herr ließ Barnabas Gebet nicht fruchtlos bleiben.

Den Namen Barnabas erhielt er von den Aposteln. Den Namen Joseph führte in der Urgemeinde in Jerusalem bereits Joseph Barsabas, der wie sein Bruder Judas Barsabas ein Vetter Jesu war. Deswegen behielt Joseph Barsabas seinen Namen, während Joseph Barnabas später nur noch Barnabas genannt wurde. In der Apostelgeschichte wird der ursprünglich chaldäische (südsemitsche) Name mit Sohn (Bar) des Trostes (naba) übersetzt. Nach dem Heiligen Johannes Chrysostomos erhielt er diesen Namen wegen seiner besonderen Gabe, die Betrübten zu trösten. Er war der Levit, der dem hl. Apostel Petrus den Ertrag seines für die Gemeinde verkauften Ackers brachte (Apg. 4,36). Er hatte sein ganzes reiches irdisches Erbe um des Himmelreichs willen verkauft, um frei für die Mission zu werden und um als wahrer Jünger Christi das Seinige zum Wohle der Kirche opfern zu können. Da Barnabas an dieser Stelle als einziger genannt wird, der auf sein Eigentum zugunsten der jungen Kirche verzichtete, gilt er als erster größerer Spender in der Kirchengeschichte. Somit ist er das Vorbild aller reichen Wohltäter und das Gegenstück zum reichen Jüngling, der sich nicht rechtzeitig vom Irdischen zu lösen vermochte. Dieser Weg der Entsagung des irdischen Reichtums gilt seither als ein gangbarer Weg, durch das "Nadelöhr" des Besitzes doch in das Himmelreich gelangen zu können. Er war ein "trefflicher Mann und voll des heiligen Geistes und des Glaubens" (Apg. 11,24). So galt er als einer der Ersten oder gar als der Verzüglichste unter den 70 Jüngern Jesu. Obgleich Joseph Barsabas zusammen mit dem Apostel Matthias als Nachfolgekandidat für Judas aufgestellt wurde (Apg 1,23), blieb er einer der 70, während Barnabas den Titel eines Apostels bekam (Apg 14,14), weil er als einziger dem Apostelfürsten Paulus bei dessen ersten Missionsreise beigesellt war (Apg 13,2).

Dem Apostel Barnabas war es vor allem zu verdanken, dass der hl. Paulus nach seiner Bekehrung Kontakt mit der christlichen Gemeinde in Jerusalem erhielt. Drei Jahre nach seiner Bekehrung kam der Apostel Paulus nach Jerusalem (Gal 1,18). Er fiel seinem Freund vor die Füße und rief: "Barnabas, Lehrer der Weisheit, jetzt bin ich überzeugt von der Wahrheit dessen, was du mir über Christus gesagt hast." Barnabas weinte vor Freude und umarmte seinen Freund, denn er rettete die Seele seines Freundes durch seine eifrigen Gebete. Die Gläubigen hatten aber Bedenken, ihn in die Versammlung aufzunehmen; allein Barnabas, der ihn aus der Schule des Gamaliel kannte, stellte ihn den Aposteln vor (Apg 9,26f). Barnabas Empfehlung hatte ein solches Gewicht, daß Petrus den Apostel Paulus in seine Wohnung aufnahm und fünfzehn Tage mit ihm zubrachte. So bekam Paulus auch Gelegenheit, den Apostel Jakobus kennenzulernen: "Der andern Apostel aber sah ich keinen außer Jakobus, des HERRN Bruder." (Galater 1,19) Der hl. Barnabas wirkte nach Apg 11,22-30 und 13,1 in Antiochia am Orontes, zusammen mit Paulus, den er dort einführte. Er hatte Paulus aus dessen Heimatstadt Tarsus geholt. Sie blieben ein Jahr in Antiochia, wo die Gläubigen damals erstmals als Christen bezeichnet wurden. Danach war Barnabas der Begleiter des Paulus bei dessen ersten Missionsreise nach Zypern und Kleinasien (Apg 13 und 14) und Teilnehmer am Apostelkonzil in Jerusalem (Apg. 15,2-35). Später trennten sich die Apostel Barnabas und Markus vom hl. Paulus: der hl. Barnabas besuchte zusammen mit Markus die Gemeinden in Zypern (Apg. 15,39). Danach predigte Barnabas in Korinth, Alexandria und Rom, wo er nach seiner Predigt den damals noch sehr jungen hl. Clemens taufte, der Ende des 1. Jahrhunderts dann Bischof von Rom wurde. In Mailand gründete Barnabas nach einer lokalen Tradition im Jahr seiner Ankunft am 13. März 53 die örtliche Kirche und wurde so zum ersten Bischof und Patron der Stadt. Er setzte auch den nächsten Mailänder Bischof nach ihm ein, den griechischstämmigen heiligen Anathalon. Nach einer späteren Version hätte die Einführung von Anathalon im 7. Jahr des Kaisers Claudius stattgefunden, welcher vom Jahre 41 an bis zu seinem Tod im Jahre 54 regierte. Wie bei vielen anderen Datierungen in der Frühgeschichte des Christentums gibt es auch hier geringfügige, dem Alter der Überlieferung geschuldete Toleranzen. In seinen letzten Jahren half er der Überlieferung nach von Alexandria aus Markus bei der Missionierung Ägyptens und wurde dann Bischof seiner Heimatinsel Zypern, welche eine sehr lange Zeit mit Ägypten kulturell verbunden war. Sergius Paulus, der römische Prokonsul von Zypern, wurde nach Apg 13,4-12 gläubiger Christ. Bei seinen missionarischen Reisen heilte Barnabas durch das Auflegen seines Matthäusevangeliums auf die Brust des Kranken.

Nach der Überlieferung erlitt er mit 76 Jahren als Bischof von Zypern den Märtyrertod durch die Steinigung. Dies geschah nach den apokryphen Barnabasakten in Salamis bei Famagusta auf Zypern im Jahre 61 unter der Herrschaft des Kaisers Nero, der von 54 bis 68 regierte.

Der hl. Barnabas wurde durch Markus in Zypern bestattet, sein Grab geriet aber über die Jahrhunderte der Christenverfolgung in Vergessenheit. Dem zyprischen Bischof Anthemios erschien der Heilige im Traum und zeigte ihm die Stelle seines vergessenen Grabes, das daraufhin an einem 11. Juni unter Kaiser Zenon (regierte von 474 bis zu seinem Tod 491) entdeckt wurde. Dieser Tag gilt seitdem als sein "himmlischer Geburtstag" und wird als Gedenktag gefeiert. Nach der Überlieferung lag auf seiner Brust das Matthäus-Evangelium, das er mit sich führte. Dieses in Hebräisch geschriebene Evangelienbuch soll dem Kaiser Zenon (griechisch Ζήνων, lateinisch Flavius Zeno) im Jahre 485 zugesandt worden sein. Das Kloster acht Kilometer nördlich von Famagusta und zwei Kilometer westlich von Salamis wurde bereits 477 gegründet. Demzufolge ist 477 auch das Jahr der Auffindung der Gebeine, dieweil Zenon als Alleinherrscher ab (17.?) November 474, unterbrochen von einem 20-monatigen Exil Januar 475 bis August 476, regierte, also weder 474, 475 noch 476 in Frage kommen. Auch ist eine Klostergründung im Jahr der Reliquienauffindung nur konsequent.

Durch die Auffindung seiner Gebeine in Zypern wurde der auch gebürtige Zypriote Barnabas zum Patron der Insel. Hier befinden sich seine Hauptreliquien. Weitere Reliquien besitzen Kirchen in Mailand, Florenz, Marino, Logroño, Namur, Prag und Andechs. Historisch sind auch Reliquien in Köln (17. Jahrhundert) und in Toulouse (im Mittelalter) verbürgt. In Mailand wurde das Kloster San Barnabas für den dortigen Stadtpatron errichtet. Dort wird seit alters her entsprechen einer lokalen Tradition die Ankunft des Heiligen am 13. März 53 mit einem Stadtfest begangen, welches schon 1396 belegt ist. Der Orden der Barnabiten wurde nach dem Kloster San Barnabas benannt, in welchem die Gemeinschaft um Antonio Maria Zaccaria nach 1530 ein erstes Domizil fand. Hierdurch wurde Barnabas zum Schutzpatron dieses Ordens.

Weitere Patronate hat der Heilige über Florenz, Logroño, Endenna, Zogno und Marino in Italien und über Marbella an der spanischen Costa de Sol. In Endenna wird das Stadtfest am 11. Juni begangen, dem Gedenktag des Heiligen.

Barnabas ist der Schutzheilige der Küfer, Böttcher und Weber und wird auch gegen Hagel und Steinschlag angerufen. In Marino in der italienischen Provinz Rom (in Latium) wird alljährlich ein siebentägiges Stadtfest zur Erinnerung an die Hagelkatastrophe vom 11. Juni 1615 gefeiert, weswegen die Stadt statt der heiligen Lucia ab 1618 Barnabas zum Patron wählte. Hier befindet sich inzwischen auch das Haupt des Apostels, bezeichnet mit "CAPUT S. BARNABAE. APOSTOLI". Die Gläubigen wenden sich auch bei Traurigsein und Streit an ihn.


Quelle: Kirchenkalender