Altartisch

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Orthodoxes Glaubensbuch - Der Altartisch

Ein orthodoxer Priester am Altar

Der Altartisch wird gewöhnlich folgendermaßen errichtet: Auf vier hölzernen Pfosten (Säulen) von ungefähr einem Meter Höhe wird ein hölzernes Brett so angebracht, dass seine Ecken fest auf den Pfosten ruhen und genau auf ihren Rändern liegen. Die Größe des Brettes kann von der Größe des Altarraumes abhängen. Gewöhnlich ist es ein Quadrat mit der Seitenlänge von 70 Zentimetern bis zu anderthalb Metern. Wenn die Kirche durch den Bischof geweiht wird, wird zwischen den vier Pfosten in der Mitte unter dem Brett ein fünfter Pfosten aufgestellt, der ungefähr 20 bis 25 Zentimeter niedriger ist als die anderen. Auf diesem fünften Pfosten wird ein Kästchen mit Heiligenreliquien angebracht.

Das obere Brett des Altartisches heißt auf Kirchenslawisch “Tafel” (Tisch – trapeza). An den Stellen, wo die “Tafel” mit den Pfosten verbunden wird, wird sie mit einer speziellen geschmolzenen Mischung bestrichen, die Wachs, zerstoßenen Marmor, Aloe, Weihrauch und einige andere Stoffe enthält. Diese Klebestoffe sind nötig, um die obere Tafel fest mit den Pfosten des Altartisches zu verbinden. Zum Schluss wird das Altarbrett mit vier Nägeln befestigt und der Altartisch mit warmem Weihwasser und mit mit Rosenwasser vermischtem roten Wein gewaschen, mit heiligem Myron gesalbt und mit besonderen Tüchern umkleidet.

Das untere Tuch (sračica, Unterkleid) ist einfach weiß. Es symbolisiert das Leichentuch, in welches der Leichnam des Erlösers gehüllt wurde, bevor man ihn nach dem Kreuzestod ins Grab legte. Über dem unteren Tuch wird der Altartisch mit einer langen Schnur umwunden, die Bindschnur (vervie) genannt wird. Sie ist 40 Meter lang. Wenn ein Bischof die Kirche weiht, wird der Altartisch mit der Bindschnur kreuzförmig umwunden, so dass auf jeder Seite des Altartisches ein Kreuz entsteht. Wenn der Bischof einen Priester mit der Weihe der Kirche beauftragt, wird der obere Teil des Altartisches einige Male waagrecht umwunden. Diese Bindschnur erinnert an den Strick, mit dem der Heiland gebunden wurde, als man Ihn zum ungerechten Gericht vor die jüdischen Hohenpriester führte. Sie erinnert aber auch an die Kraft Gottes, welche die gesamte Welt, die gesamte Schöpfung Gottes verbindet und zusammenhält.

Die Reliquien der Märtyrer werden unter den Altartisch gelegt, weil sie selbst heilig sind und alles heiligen. Die Christen haben diesen Brauch schon seit den frühesten Zeiten, als man die Gottesdienste auf den Gräbern der Märtyrer feierte, und so das Grab zum Altartisch machte. Später weihte man auch die anderen Altartische, indem man unter sie Reliquienpartikel legte. Dies wird deshalb gemacht, weil die Märtyrer die Säulen sind, auf welchen die Kirche ruht. Die Märtyrer sind ihr festes Fundament.

Das Unterkleid (sračica) wird mit einem festlichen, hellen und verzierten Obergewand (inditia) umhüllt, das gewöhnlich aus Brokat genäht ist. Dieses Obergewand symbolisiert das prächtige königliche Gewand des Gottessohnes in Seiner Herrlichkeit. Das Umhüllen des auf den furchtbaren Tod des Erlösers hinweisenden Unterkleides des Altartisches mit diesem königlichen Gewand ist ein Symbol dafür, dass die Herrlichkeit Jesu Christi in Seinem Leiden, Seiner Erniedrigung und Seinem Kreuzestod begründet ist, in Seinem heilbringenden Opfer für die Menschen.

Über das Obergewand, das Altartuch, wird auf den Altartisch ein viereckiges Tuch (iliton) gelegt, in welches das Antimension eingeschlagen wird. Darauf liegt das Evangeliar.

Auf dem Altartisch befindet sich immer das göttliche Kreuz des Erlösers, auf dem Er sich als Opfer für die ganze Welt dargebracht hat. Das Kreuz liegt rechts vom Antimension.

Jedoch haben nicht alle Altartische die beschriebene Bauweise. In der Antike zelebrierte man die Liturgie auf den steinernen Särgen der Märtyrer, deshalb sind einige Altartische in den alten Kirchen aus Stein. Bisweilen werden die Altartische nicht auf vier Säulen errichtet, sondern auf einer, was die Einheit und Einzigkeit Gottes bedeutet. Manchmal haben hölzerne Altartische auch Seitenwände, die oft bemalt oder mit einem Metallbeschlag (oklad) verziert sind. In diesen Fällen werden die Altartische manchmal nicht bekleidet, weil die Bemalung und der Oklad das Gewand darstellen.

Der Altartisch und alles, was sich auf ihm befindet, sind heilig. Den Altartisch dürfen nur geweihte Personen berühren, das sind Bischöfe, Priester oder Diakone. Nur die Zelebranten dürfen vor dem Altartisch vorbeigehen, zwischen ihm und der Königstür, und nur wenn es während des Gottesdienstes notwendig ist, und nicht, wenn es ihnen beliebt. Andere dürfen nur hinter dem Altartisch vorbeigehen.

In der Antike war der Altartisch gewöhnlich etwas erhöht. Die Priester und Diakone stiegen, um den Altartisch zu küssen oder eine heilige Handlung zu vollziehen, auf Stufen zu ihm hinauf.

Im südlichen Teil des Altarraumes ist ein besonderer Raum zur Aufbewahrung der heiligen Geräte eingerichtet.

Auf dem Altartisch steht ein Kästchen, in dem die Heiligen Gaben aufbewahrt werden. Es wird “Bundeslade” (kovčeg) genannt. Heutzutage befindet sich die “Bundeslade” im Tabernakel; früher wurde sie an einem eigenen Ort verwahrt. In ihr befinden sich die Heiligen Gaben für die Krankenkommunion.

Vor dem Tabernakel steht ein Öllämpchen, das als Abglanz des wahren Lichts leuchtet.

Ein Gotteshaus, welches keinen Altartisch hat, kann nicht als Kirche bezeichnet werden, obwohl es auch für das Gebet bestimmt ist. Das sind zum Beispiel Kapellen, in denen keine Liturgie zelebriert wird, sondern nur Gebete und andere Gottesdienste verrichtet werden.

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