Alexander der Erste, Zar

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Zar Alexander I.

Alexander I. Pawlowitsch Romanow (1777-1825) war von 1801 bis 1825 Zar von Russland. Seine Rechtgläubigkeit und Kirchenpolitik schwankten je nach Lebensabschnitt.

Liberal und humanistisch eingestellt, war er eifrig bestrebt, die Justiz und das Finanzwesen Russlands zu ordnen, das harte Los der Leibeigenen zu mildern und ihre Freilassung vorzubereiten sowie die Volksbildung zu fördern. Seine Reformen wurden allerdings seitens der Adligen vehement bekämpft. Außenpolitisch übte Alexander in den Befreiungskriegen gegen Polen den größten Einfluss aus, sowohl auf die militärischen Operationen als auch auf die schonende Behandlung Frankreichs.

Die Erschütterungen durch den Krieg gegen Frankreich, vor allem durch die Besetzung und Brandschatzung Moskaus durch Napoleon (1812), erweckten in Alexander tiefe Religiosität. Alexander träumte von einer „all-europäischen Religion“, wodurch die Idee der christlich-mystischen Heiligen Allianz entstand, die 1815 zwischen den Monarchen von Russland, Preußen und Österreich beschlossen wurde. Die Zukunft der „künftigen Föderation der christlichen Staaten“ sah Alexander in der Wiedererrichtung des lebendigen und bewussten Glaubens des Volkes, der durch die säkularen Reformen des 18. Jahrhunderts angegriffen war und im durch Leibeigenschaft verwilderten Russischen Volke nur durch erneute Ausbildung, zusammen mit der Verbreitung der Heiligen Schrift und der Aktivierung der gesellschaftlichen Dienste der Kirche, wieder belebt werden konnte.

„Dafür, dass die christliche Frömmigkeit immer die Grundlage der wahren Aufklärung sei“, gründete Alexander 1817 ein gemeinsames Ministerium für geistliches Wesen und Volksausbildung, auf dass sich die „heilsame Übereinstimmung zwischen dem Glauben, dem Wissen und der Macht wiederherstellen möge.“

Seine konfessionelle Politik bestand sowohl im konsequenten Schutz der Russischen Orthodoxen Kirche als auch in der Verkündung religiöser Toleranz. Seine Kirchenpolitik richtete sich hauptsächlich auf die Verbesserung der finanziellen und sozialen Lage der Geistlichen und die Erhöhung des Bildungsniveaus. Alexander förderte die Missionsarbeit, die zur Zeit seiner Herrschaft in Russland wieder belebt wurde.

Zugleich unterstützte Alexander aber auch die Freimauerei, die unter ihm fast Staatspolitik wurde. Der Freimaurerei, die seit den 1830er Jahren in Russland existierte, stand Alexander zunächst skeptisch gegenüber. Er gab den Auftrag, ein Gutachten über die Tätigkeiten der Freimaurerlogen zu erstellen, das u.a. durch Ignaz Aurelius Feßler angefertigt wurde. In dessen Folge wurde die Freimaurerei 1810 in Russland genehmigt, und Alexander I. trat selbst dem Bund bei. Er interessierte sich auch für die verschiedenen christlichen Konfessionen und unterhielt sich gerne mit ihren geistlichen Führern.

In den letzten fünf Jahren seiner Regentschaft zeigte sich Alexander als tief gläubiger orthodoxer Christ. Er unternahm häufig Pilgerfahrten, besuchte Klöster und ließ sich von Starzen und Asketen beraten. Seine Frömmigkeit wurde von den ihn umgebenden Adligen nicht verstanden, sondern als Mystizismus und Bigotterie verurteilt. Als Alexander 1822 davon erfahren hatte, dass gegen ihn ein Aufstand vorbereitet wurde und viele Freimauer an diesem Komplott beteiligt waren, ließ er, inspiriert durch den orthodoxen Archimandrit Photij, alle Freimauerlogen verbieten und auflösen.